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Natur- und Technologiekatastrophen· Von ARMSMA

Zwei Einstürze, zweimal 200 Tote: Wer zählt die Opfer der Coltan-Mine Rubaya im Kongo?

«Wir sind in der Regenzeit. Der Boden ist brüchig.» So erklärte Lumumba Kambere Muyisa, Sprecher des von den Rebellen eingesetzten Gouverneurs von Nord-Kivu, gegenüber Reuters, warum an einem Mittwoch Ende Januar 2026 in der Coltan-Mine Rubaya im Osten der DR Kongo die Erde nachgab. Der Boden sei eingebrochen, während die Opfer in der Grube waren.

Er sprach von mehr als 200 Toten – Bergleuten, Kindern und Marktfrauen –, wie Reuters und AFP in einem Bericht der Qatar Tribune meldeten.

Rund fünf Wochen später gab das kongolesische Bergbauministerium bekannt, ein weiterer Einsturz in Rubaya habe mindestens 200 Menschen getötet. Diesmal erklärten die Rebellen, die die Mine halten, es habe kaum Tote gegeben.

Rubaya ist weit über Nord-Kivu hinaus von Bedeutung. Die Mine liefert etwa 15 Prozent des weltweiten Coltans, jenes Erzes, aus dem Tantal für Telefone, Computer, Luft- und Raumfahrtteile und Gasturbinen gewonnen wird. Wer sie kontrolliert und wer ihre Toten zählen darf, ist Teil eines Kriegs um Rohstoffe.

Was geschah im Januar?

Die Mine liegt rund 60 km nordwestlich von Goma. Einheimische graben dort von Hand für ein paar Dollar am Tag, und seit 2024 kontrolliert die Rebellengruppe AFC/M23 das Gelände, berichtete Reuters.

Über die «mehr als 200» des Sprechers hinaus sagte ein Berater des Gouverneurs, der anonym bleiben wollte, mindestens 227 Todesfälle seien bestätigt. Rund 20 Verletzte wurden in Gesundheitseinrichtungen behandelt; einige waren in letzter Minute gerettet worden, aber schwer verletzt.

Eraston Bahati Musanga, der von der M23 eingesetzte Gouverneur, sagte der AFP, «einige Leichen» seien geborgen worden. Ein Kleinschürfer, Franck Bolingo, sagte der AFP, es würden noch Menschen unter Tage vermutet – manche lebendig verschüttet, andere in den Schächten eingeschlossen.

Was geschah im März – und warum ist die Zahl umstritten?

Laut Associated Press ereignete sich der zweite Einsturz an einem Dienstag; am Tag darauf meldete das kongolesische Bergbauministerium in einer Mitteilung mindestens 200 Tote. Der AP-Bericht erschien am 5. März 2026.

Eine Vertreterin der M23, Fanny Kaj, wies Ursache und Zahl zurück: «Es gab keinen Erdrutsch; es gab Bombardierungen, und die Zahl der Toten ist nicht die, von der die Leute reden.» Gestorben seien «etwa fünf Menschen».

Ein Bergmann, Ibrahim Taluseke, sagte der AP, er habe geholfen, mehr als 200 Leichen zu bergen. Die Minenbesitzer, sagte er, akzeptierten nicht, dass die genaue Zahl der Toten bekannt werde.

Dasselbe Ereignis trägt also zwei offizielle Versionen zweier rivalisierender Behörden: der Regierung in Kinshasa, die das Gelände nicht kontrolliert, und der Rebellen, die es tun.

Warum ist eine Mine in Nord-Kivu für die ganze Welt wichtig?

Die DR Kongo förderte 2023 rund 40 Prozent des weltweiten Coltans, gemäss Zahlen des U.S. Geological Survey, die die AP zitiert. Australien, Kanada und Brasilien sind weitere grosse Lieferanten. Laut AP liefert Rubaya mehr als 15 Prozent des weltweiten Tantals.

Die M23 eroberte Rubaya im Mai 2024. Gemäss einem UNO-Bericht besteuern die Rebellen Handel und Transport von Coltan und nehmen so mindestens 800 000 Dollar im Monat ein. Die UNO wirft der M23 vor, Rubaya zur Finanzierung ihres Aufstands zu plündern; Ruanda, dem die Unterstützung der Gruppe vorgeworfen wird, bestreitet dies.

Die grösseren Verluste sind noch gewaltiger. Im Osten des Kongo sind laut AP mehr als 7 Millionen Menschen vertrieben, darunter über 300 000, die seit Dezember geflohen sind. Im Juni wurde ein von den USA vermitteltes Friedensabkommen zwischen Kongo und Ruanda unterzeichnet, doch an mehreren Fronten wird weiter gekämpft.

Was wir nicht wissen

  • Die genauen Daten. Die Quellen nennen Wochentage – einen Mittwoch Ende Januar, einen Dienstag Anfang März – statt präziser Daten.
  • Die tatsächliche Zahl der Toten. Für Januar reichen die Angaben von «mehr als 200» bis «mindestens 227», beide von der durch die Rebellen eingesetzten Verwaltung. Für März spricht das Ministerium von mindestens 200, die M23 von etwa fünf. Eine unabhängige Zählung findet sich in den geprüften Quellen nicht.
  • Die Ursache des Einsturzes im März. Regierung und Bergmann beschreiben einen Einsturz; die M23 spricht von «Bombardierungen». Keine der Darstellungen ist unabhängig überprüft.
  • Wie viele Menschen unter Tage waren. Handgegrabene Kleinbergbaustätten führen keine verlässlichen Register.

Worauf es jetzt ankommt

Rubaya steht im Zentrum des Friedensprozesses zwischen Kongo und Ruanda, der laut AP auch der US-Regierung und amerikanischen Firmen Zugang zu kritischen Rohstoffen öffnet. Ob irgendeine Behörde die Mine inspizieren, ihre Arbeiter registrieren und ihre Toten zählen kann, wird viel darüber aussagen, ob das Abkommen für jene, die graben, etwas ändert.

Quellen

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