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Natur- und Technologiekatastrophen· Von ARMSMA

Seit 2024 als gefährlich eingestuft: Warum starben in Liushenyu trotzdem 82 Bergleute?

Wang Yong roch Schwefel, «wie Feuerwerkskörper», und sah Rauch. «Ich habe den Leuten gesagt, sie sollen rennen», erzählte der Bergmann später im Spitalbett, berichtete die Associated Press.

Es war der Abend des 22. Mai 2026, ein Freitag, im Kohlebergwerk Liushenyu in Changzhi in der nordchinesischen Provinz Shanxi. Eine Gasexplosion fegte durch die Grube. An einer Medienkonferenz spät am folgenden Tag sprachen lokale Behörden von mindestens 82 Toten – dem tödlichsten Bergbauunglück des Landes seit Jahren.

Den Behörden war das Bergwerk bekannt. 2024 hatte die nationale Bergbausicherheitsbehörde es wegen hohen Gasgehalts auf eine nationale Liste katastrophengefährdeter Bergwerke gesetzt. Die Ermittler müssen nun klären, wie ein Bergwerk, das genau vor dieser Gefahr gewarnt worden war, genau diese Katastrophe erlitt.

Wie viele Menschen wurden getötet und verletzt?

Das Staatsfernsehen CCTV meldete zunächst 90 Tote. Die Behörden korrigierten die Zahl dann auf 82 und erklärten, die ersten Angaben seien «vorläufig und nicht definitiv» gewesen, meldete die AP.

Gemäss einem späteren AP-Bericht begründeten die Behörden die Korrektur mit «chaotischen» Szenen nach der Explosion und ungenauen Angaben des Betreibers.

Mehr als 120 Menschen kamen ins Spital, viele mit Verletzungen durch giftiges Gas, wie CCTV berichtete. Zwei Personen galten noch als vermisst, als die Behörden am späten Samstag informierten.

Was erschwerte die Rettung?

Hunderte Rettungskräfte und Sanitätspersonal wurden zum Bergwerk im Kreis Qinyuan geschickt. Die Retter fuhren abwechselnd in den Schacht ein und stiessen unter anderem auf überflutete Stollen, berichtete die AP.

CCTV meldete ein beunruhigenderes Problem: Die vom Bergwerk gelieferten Pläne stimmten nicht mit der tatsächlichen Anlage überein. Das behinderte die Suche nach Überlebenden.

Einige Bergleute im Spital erinnerten sich, Rauch gesehen und dann das Bewusstsein verloren zu haben. «Mein Herz ist sehr schwer», sagte Bergmann Wang Linjun der AP. Ein anderer, Feng Renfu, sagte: «In meiner Familie sind wir acht, und alle sind auf mich angewiesen.»

Wer betreibt das Bergwerk – und was sagen die Behörden?

Liushenyu wird von der privaten Shanxi Tongzhou Coal & Coke Group betrieben, mit einer Jahreskapazität von 1,2 Millionen Tonnen. Die lokalen Behörden warfen dem Betreiber «schwere Gesetzesverstösse» vor, ohne sie zu nennen. Xinhua meldete später, die Verantwortlichen des Unternehmens seien «unter Kontrolle gestellt» worden.

Staatspräsident Xi Jinping rief zu allen Anstrengungen für die Rettung der Vermissten auf, zu einer «gründlichen Untersuchung» und zur Rechenschaft «nach dem Gesetz». Ein Team des Staatsrats wurde für eine «rigorose und kompromisslose» Untersuchung entsandt.

Die lokalen Behörden kündigten zudem eine umfassende Inspektion des Kohlesektors an – Gasabsaugung, Bewetterung, Sicherheitsüberwachung und Grubenpläne. Ein Kommentar der Volkszeitung forderte alle Regionen und Behörden auf, aus dem Unglück zu lernen.

Warum ist Shanxi wichtig?

Shanxi mit rund 34 Millionen Einwohnern ist Chinas wichtigste Kohleprovinz. Ihre Bergleute förderten im vergangenen Jahr rund 1,3 Milliarden Tonnen Kohle, fast ein Drittel der chinesischen Gesamtmenge, so die AP. Insgesamt förderte China rund 4,8 Milliarden Tonnen.

Die AP hält fest, dass Grubenunglücke in der Provinz seit langem häufig sind und die Behörden in den letzten Jahren Sicherheitsmassnahmen eingeführt haben. Zum Vergleich nennt sie den Einsturz eines Tagebaus in der Inneren Mongolei im Februar 2023 mit 53 Toten und eine Explosion in der Provinz Heilongjiang im November 2009 mit 108 Toten, gemäss Staatsmedien.

Eine breitere Inspektion könnte die Förderung einer Provinz belasten, die einen so grossen Teil der Energie des Landes liefert – deshalb werden die Ergebnisse der Ermittler weit über Changzhi hinaus beachtet.

Was wir nicht wissen

  • Die genaue Ursache. Die Behörden sprechen von «schweren Verstössen», ohne sie zu benennen. In den geprüften Quellen liegt kein Untersuchungsbericht vor.
  • Wie viele Menschen unter Tage waren, als das Gas explodierte. Die Quellen sprechen von «Dutzenden» Eingeschlossenen, nennen aber keine Gesamtzahl.
  • Die endgültige Opferzahl. Sie wurde bereits einmal von 90 auf 82 korrigiert, und zwei Personen galten zum Zeitpunkt der Berichte noch als vermisst.
  • Warum die Pläne falsch waren – wegen schlechter Unterlagen oder bewusster Verschleierung. CCTV meldete die Abweichung, nicht deren Grund.

Worauf es jetzt ankommt

Die Untersuchung des Staatsrats und die Inspektion in der Provinz werden zeigen, ob die Liste gefährdeter Bergwerke ein wirksames Instrument oder eine Formalität ist. Ein Bergwerk kann wegen hohen Gasgehalts eingestuft sein und trotzdem explodieren; die Ergebnisse sollten zeigen, was sich nach der Einstufung 2024 unter Tage überhaupt geändert hat.

Quellen

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