Ein Kindergarten, ein Spital, dann die Helfer: Warum reichen die Opferzahlen von Kalogi von 10 bis 79?

Die erste Drohne traf den Kindergarten. Augenzeugen sagten Radio Dabanga, dass sich mehr als 50 Kinder darin befanden. Die zweite schlug in einer Menge von über 150 Menschen ein, darunter Angehörige auf der Suche nach vermissten Kindern. Die dritte traf den Eingang des örtlichen Spitals, wo sich Menschen versammelt hatten, um Tote zu identifizieren.
«Zuerst ein Kindergarten, dann ein Spital und ein drittes Mal, als die Leute versuchten, die Kinder zu retten», sagte der Leiter der Verwaltungseinheit Kalogi per Starlink zur AFP, wie Dawn berichtete.
Die Angriffe auf Kalogi, eine von der Armee gehaltene Ortschaft im Bundesstaat Südkordofan, am Donnerstag, 4. Dezember 2025, ereigneten sich, als sich der Krieg zwischen Sudans Armee und den Rapid Support Forces (RSF) nach dem Fall von El Fasher nach Kordofan verlagerte. Sie zeigen auch, wie schwer es ist, in einem Krieg nahezu ohne unabhängigen Zugang die Toten zu zählen.
Wie viele Menschen wurden getötet?
Die Zahlen hängen davon ab, wer zählt, und keine wurde unabhängig überprüft:
- UNICEF: Mehr als 10 Kinder im Alter von 5 bis 7 Jahren wurden «Berichten zufolge» allein im Kindergarten getötet, so die Medienmitteilung vom 5. Dezember.
- Sudan Doctors' Network: 50 Tote, darunter 33 Kinder, in einer ersten Zählung, über die The New Arab berichtete.
- Armeenahes Aussenministerium Sudans: 79 Tote, darunter 43 Kinder, laut AFP via Dawn.
- Exekutivdirektor von Kalogi, Essameddin Angalo: ebenfalls 79 Tote, darunter 43 Kinder, und mindestens 38 Verletzte, so Radio Dabanga. Er warnte, die tatsächliche Zahl sei wohl deutlich höher, weil auch das Spital getroffen wurde, das die Opfer aufnahm.
Die Zahlen widersprechen sich nicht zwingend: Jene von UNICEF betrifft die Kinder im Kindergarten, die anderen umfassen alle drei Angriffe. Die AFP hielt jedoch fest, dass eine unabhängige Überprüfung in Kordofan wegen lückenhafter Kommunikation, eingeschränkten Zugangs und anhaltender Unsicherheit schwierig ist. Bewohner sagten Radio Dabanga, viele Leichen seien wegen der Schwere der Verletzungen kaum zu identifizieren gewesen.
Wer wird beschuldigt?
Der lokale Verwalter machte die RSF und ihren Verbündeten verantwortlich, die Fraktion der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung-Nord (SPLM-N) unter Abdelaziz al-Hilu, die grosse Teile Südkordofans kontrolliert, berichtete Dawn. Auch die Menschenrechtsgruppe Emergency Lawyers beschuldigte die RSF und nannte die Angriffe «eine eklatante Verletzung des humanitären Völkerrechts», so The New Arab.
Keines der Medien meldete eine Stellungnahme der RSF. Die Zuschreibung beruht auf Aussagen lokaler Behörden, der armeenahen Regierung und einer sudanesischen Menschenrechtsgruppe; unabhängig belegt ist sie nicht.
Drohnen setzen beide Seiten ein. In der Woche zuvor hatte ein Drohnenangriff der Armee auf Kauda, eine Hochburg der SPLM-N in Südkordofan, laut der UNO, zitiert von der AFP, mindestens 48 Menschen getötet.
Warum Kordofan, und warum jetzt?
Die RSF eroberten Ende Oktober 2025 El Fasher, die letzte Bastion der Armee im Westen Sudans; danach gab es Berichte über Massentötungen, sexuelle Gewalt, Plünderungen und Entführungen, berichtete die AFP. Anschliessend stiessen die RSF nach Osten in das ölreiche Kordofan vor; von der AFP zitierte Fachleute sehen darin den Versuch, den letzten Verteidigungsbogen der Armee um Zentralsudan zu durchbrechen.
«Es ist wirklich schockierend, wie sich die Geschichte in Kordofan so kurz nach den schrecklichen Ereignissen in El Fasher wiederholt», sagte UNO-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk laut Radio Dabanga. Sein Büro hatte seit dem 25. Oktober mindestens 269 zivile Todesopfer durch Luftangriffe, Beschuss und aussergerichtliche Tötungen dokumentiert, so Radio Dabanga; die AFP brachte dieselbe Zahl mit der Stadt Bara in Nordkordofan in Verbindung.
Seit Anfang November hat sich die Sicherheitslage in den Kordofan-Staaten stark verschlechtert, erklärte UNICEF. Im Monat vor dem Angriff flohen über 41 000 Menschen vor der Gewalt in Nord- und Südkordofan; in Kadugli ist eine Hungersnot bestätigt, aus Dilling werden ähnliche Zustände gemeldet. Die medizinische Versorgung bricht zusammen, die Vorräte sind fast aufgebraucht.
Was sagte die UNO?
«Kinder in ihrer Schule zu töten, ist eine entsetzliche Verletzung der Kinderrechte», sagte Sheldon Yett, UNICEF-Vertreter für Sudan. «Kinder dürfen niemals den Preis eines Konflikts bezahlen.» UNICEF rief alle Parteien auf, die Angriffe sofort einzustellen und sicheren, ungehinderten humanitären Zugang zu gewähren, und erinnerte daran, dass das Töten und Verstümmeln von Kindern sowie Angriffe auf Schulen und Spitäler schwere Verletzungen der Kinderrechte sind, so die Erklärung.
Was wir nicht wissen
- Die endgültige Zahl der Toten. Die Angaben reichen von mehr als 10 Kindern (UNICEF, nur Kindergarten) bis zu 79 Menschen (lokale und armeenahe Stellen, alle drei Angriffe).
- Wer die Drohnen einsetzte. Lokale Behörden und eine Menschenrechtsgruppe beschuldigen die RSF; unabhängig überprüft ist das nicht, eine Reaktion der RSF wurde nicht gemeldet.
- Ob Spital und Helfende gezielt angegriffen wurden. Die Quellen beschreiben die Abfolge der Angriffe, nicht die Absicht dahinter.
Worauf zu achten ist
Der Krieg zwischen Armee und RSF dauert seit April 2023 an und hat laut AFP Zehntausende Tote gefordert und fast 12 Millionen Menschen vertrieben. Ob humanitäre Organisationen Zugang zu den belagerten Orten Südkordofans erhalten – und ob Ermittler Kalogi erreichen –, entscheidet darüber, ob dieser Angriff je vollständig erfasst und jemand dafür zur Rechenschaft gezogen wird.
Quellen
- UNICEF: More than 10 children reportedly killed in attack on kindergarten in South Kordofan, Sudan (5. Dezember 2025)
- AFP via Dawn: Drone strikes on Sudan kindergarten, hospital kill dozens (7. Dezember 2025)
- Radio Dabanga: South Kordofan – nearly 80 killed in drone strikes on kindergarten and hospital (6. Dezember 2025)
- The New Arab: Drone strikes on Sudan kindergarten, hospital kill 50, including children (7. Dezember 2025)
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