Skip to main content
ARMSMA
Alle Meldungen
Menschenrechte· Von ARMSMA

Zwei US-Bürger getötet, zwei Versionen der Ereignisse: Was geschah während des Einwanderungseinsatzes in Minneapolis?

Am 7. Januar 2026 gegen 9.30 Uhr feuerte ein Bundesbeamter der Einwanderungsbehörde nahe der Kreuzung East 34th Street und Portland Avenue im Süden von Minneapolis drei Schüsse durch das Fahrerfenster eines roten Fahrzeugs. Die Fahrerin, die 37-jährige Renee Nicole Good, starb im Spital, berichtete FOX 9.

Siebzehn Tage später, am 24. Januar, erschossen Bundesbeamte im Quartier Whittier den 37-jährigen Intensivpfleger Alex Pretti (MPR News). Beide waren US-Bürger.

Die beiden Tötungen geschahen während eines Einsatzes, den das Heimatschutzministerium (DHS) als «grösste DHS-Operation aller Zeiten» bezeichnete. Sie machten aus einer Einwanderungsoperation eine Probe auf eine grundsätzliche Frage: Wenn Bundesbeamte in einer US-Stadt tödliche Gewalt anwenden, wer ermittelt, und wer darf die Beweise sehen?

Was war die Operation Metro Surge?

Die Operation begann im Dezember 2025, als Minnesota in den Mittelpunkt der Abschiebepolitik der Regierung rückte, so der Minnesota Reformer. Rund 3000 Bundesbeamte der Einwanderungsbehörden wurden entsandt.

Nach Angaben der Bundesbehörden wurden etwa 4000 Menschen festgenommen. Der «Grenzzar» Tom Homan konnte nicht sagen, wie viele davon gezielte Festnahmen von Personen waren, die als Sicherheitsrisiko gelten. Bis Mitte Februar hatten Einwanderungsbeamte seit Dezember auf drei Menschen geschossen, zwei davon starben (Minnesota Reformer).

Was geschah mit Renee Good?

Die Darstellungen des Bundes und der lokalen Seite widersprechen sich. Bundesbeamte erklärten, ICE-Beamte hätten «gezielte Einsätze durchgeführt», als «Randalierer» sie blockiert hätten. Eine von ihnen habe «ihr Fahrzeug als Waffe eingesetzt und versucht, Beamte zu überfahren»; der Beamte habe «aus Angst um sein Leben» «Schüsse zur Verteidigung» abgegeben (FOX 9).

Zeugen schilderten FOX 9 etwas anderes. Demnach stand auf jeder Seite des Fahrzeugs ein Beamter, ein dritter versuchte, die Fahrertür zu öffnen. Dann feuerte ein Beamter, der zurückgetreten war. Eine Zeugin sagte, das Fahrzeug habe sich «nicht auf die Beamten zubewegt». Bürgermeister Jacob Frey wies die Notwehr-Darstellung öffentlich zurück.

Videos aus verschiedenen Blickwinkeln kursierten im Netz und wurden widersprüchlich gedeutet. Eines zeigt, wie das Fahrzeug die Strasse teilweise blockiert, als sich Beamte nähern; die Fahrerin versucht wegzufahren, und der Beamte gibt drei Schüsse ab. Laut Polizei wurde die Fahrerin am Kopf getroffen (FOX 9).

Wer durfte ermitteln?

Zunächst sollte das Minnesota Bureau of Criminal Apprehension (BCA) die Gewaltanwendung gemeinsam mit dem FBI prüfen. Die Bundesstaatsanwaltschaft kippte diesen Entscheid, und das BCA zog sich zurück, weil es keinen «vollständigen Zugang zu den Beweisen, Zeugen und gesammelten Informationen» habe (FOX 9).

Der Streit hielt an. Im Februar verlangte die Führung Minnesotas mehr Zugang zu Beweisen. Am 24. März 2026 verklagte der Bundesstaat die Bundesregierung auf Herausgabe der Beweise zu den Schüssen; die Bundesbehörden hätten deren Weitergabe wiederholt verweigert. Im Juli übergaben die Bundesbehörden bislang zurückgehaltene Beweise zu den Schüssen auf drei Einwohner Minnesotas, berichtet MPR News.

Was geschah mit Alex Pretti?

Die an den Schüssen vom 24. Januar beteiligten Beamten gehörten zur taktischen Einheit der Border Patrol, sagte DHS-Sprecherin Tricia McLaughlin gegenüber NBC News. Laut DHS schoss ein Beamter in Notwehr auf Pretti, nachdem dieser sich «gewaltsam gegen Versuche gewehrt habe, ihn zu entwaffnen».

Augenzeugenvideos aus verschiedenen Blickwinkeln «scheinen Teilen» dieser Darstellung «zu widersprechen», berichtete NBC News. Das DHS erklärte, seine Ermittler verfügten über Aufnahmen der Körperkameras mehrerer Beamter. Heimatschutzministerin Kristi Noem sagte, «jedes Video wird analysiert».

Am 2. Februar stellte die Rechtsmedizin des Hennepin County fest, dass Pretti an mehreren Schussverletzungen starb, und stufte seinen Tod als Tötung durch Dritte (homicide) ein, so MPR News.

Wie reagierte Minneapolis?

Am Abend von Goods Tod versammelten sich Hunderte am Ort des Geschehens, um ihrer zu gedenken; andere protestierten vor dem Rathaus. Am nächsten Morgen drängten Beamte vor dem Bundesgebäude, in dem sich der regionale ICE-Hauptsitz befindet, in die Menge und warfen mehrere Menschen zu Boden; Bundesbehörden setzten offenbar chemische Reizstoffe ein. Laut DHS wurden dort 11 Demonstrierende wegen Körperverletzung und Behinderung festgenommen. Die öffentlichen Schulen von Minneapolis sagten den Unterricht für den Rest der Woche ab (FOX 9).

Goods Tod löste Proteste gegen ICE in Minneapolis und anderen US-Städten aus, berichtete NBC News. Nach Prettis Tod machte Gouverneur Tim Walz «ungeschulte» Bundesbeamte verantwortlich. Border-Patrol-Kommandant Gregory Bovino warf lokalen Demonstrierenden und Behörden vor, die Beamten zu «verunglimpfen», und nannte den Tod eine «vermeidbare Tragödie».

Ist der Einsatz vorbei?

Homan kam nach Prettis Tod und ersetzte Bovino. Am 12. Februar kündigte er an, der Einsatz werde rasch zurückgefahren. Eine Woche später meldeten Beobachtergruppen deutlich weniger Aktivität der Einwanderungsbehörden des Bundes, auch wenn ICE-Einsätze weitergingen, so der Minnesota Reformer.

Was wir nicht wissen

  • Was die gesamten Beweise zeigen. Im Fall Pretti gibt es Aufnahmen von Körperkameras, doch sie wurden in den verwendeten Quellen nicht öffentlich beschrieben.
  • Den Ausgang der Ermittlungen. Keine unserer Quellen berichtet bis September 2026 von einem Anklageentscheid in einem der beiden Fälle.
  • Wie viele der rund 4000 Festgenommenen tatsächlich die Sicherheitsrisiken waren, auf die der Einsatz angeblich zielte. Homan selbst konnte es nicht sagen.

Worauf zu achten ist

Prettis Familie forderte im August weiterhin Rechenschaft, und im September sagten Anwälte, Bundesermittler hätten eine Zeugin der Schüsse befragt (MPR News). Als Nächstes steht der Entscheid der Staatsanwaltschaft an. Er wird zeigen, ob ein Bundesstaat eine vollständige, unabhängige Darstellung erhalten kann, wenn Bundesbeamte seine Einwohner töten.

Quellen

Teilen

Kommentare (0)

Melden Sie sich an, um an der Diskussion teilzunehmen.

  • Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.