Ein Passagierterminal als Frontlinie: Wie der Krieg zwischen Huthi und Saudi-Arabien den Flughafen von Riad erreichte

Unter den Toten war Azza Ramzy, Flugbegleiterin der saudischen Fluggesellschaft Flynas. Und Buthaina Ahmad Oweida, eine verwitwete Mutter von vier Kindern aus Syrien. Sie gehörten zu den 12 Menschen, die getötet wurden, als am Samstag, 10. Oktober 2026, eine Rakete das Passagierterminal des internationalen Flughafens König Khalid in Riad traf – so eine saudische Erklärung, über die die Nachrichtenagentur AP berichtete.
Rund 300 weitere Menschen wurden verletzt, einige schwer. AP nannte es den tödlichsten Angriff in einem arabischen Golfstaat seit Beginn des Iran-Kriegs. Am Tag darauf teilte die indische Botschaft mit, ein indischer Staatsbürger sei seinen Verletzungen erlegen; die Zahl der Toten stieg damit auf 13, berichtete NPR.
Militärische Einrichtungen gibt es auf dem Flughafen nicht, hielt AP fest. Dass er zum Ziel wurde, zeigt, wie weit sich ein Krieg verlagert hat, den viele für eingefroren hielten – von Jemens Bergen in die Abflughallen einer Golfhauptstadt.
Wie zerbrach eine dreijährige Waffenruhe?
Saudi-Arabien und die Huthi kämpfen seit 2015 gegeneinander, als das Königreich auf Seiten der Regierung in Jemens Bürgerkrieg eingriff, so NPR. Eine Waffenruhe von 2022 brachte relative Ruhe bis Juli 2026, als die Huthi ihre Angriffe wieder aufnahmen. Sie erklärten, saudische Kräfte hätten auf den Flughafen Sanaa geschossen, als dort ein Flugzeug aus Iran landen wollte.
Danach verkündeten die Huthi eine Blockade gegen Saudi-Arabien, berichtete AP – als Antwort auf die saudisch geführte Blockade, die die Huthi-Gebiete weitgehend isoliert. Im September besetzten sie wichtige Gebiete entlang der Meerenge Bab al-Mandab. Im selben Monat wurde die Ost-West-Pipeline angegriffen und für Tage stillgelegt, so NPR.
Eine grosse Militäroffensive gegen die Huthi begann etwa eine Woche vor dem NPR-Bericht vom 11. Oktober. Laut AP unterstützt die saudisch geführte Koalition jemenitische Regierungstruppen aus der Luft, die die Geländegewinne der Huthi nahe der Meerenge rückgängig machen wollen.
Dann kamen die Flughäfen an die Reihe.
Warum Flughäfen – und wie oft?
Die Huthi bezeichneten ihre Angriffe als Vergeltung für saudische Angriffe auf den internationalen Flughafen Sanaa und den Flughafen Hodeida, berichtete Al Jazeera. Sie warnten Fluggesellschaften vor dem saudischen Luftraum – ausser über Mekka und Medina – und erklärten jedes Flugzeug dort zum Ziel.
Die Chronologie, die Aviation Week anhand von Angaben der saudischen Zivilluftfahrtbehörde (GACA) zusammenstellte, zeigt das Tempo:
- 6.–7. Oktober: Angriffe auf den internationalen Flughafen Abha und den Flughafen König Khalid – drei Tote, 36 Verletzte.
- 8. Oktober: zwei Angriffe auf den Flughafen Riad – drei saudische Staatsbürger getötet, darunter ein Saudia-Pilot; ein abgestelltes Saudia-Flugzeug beschädigt. Saudia nannte ihn Kapitän Hamoud Ali Alkalthami, so Al Jazeera.
- 10. Oktober: der Angriff auf das Terminal – nach Zählung von Aviation Week 13 Tote und über 300 Verletzte. Die GACA stellte den Flugbetrieb ein.
- 11. Oktober: eine Rakete traf Terminal 4 und löste einen Brand aus. Laut saudischen Behörden wurde ein Mensch, beschrieben als pakistanischer Staatsangehöriger, getötet, 11 wurden verletzt, berichtete NPR. Spät am selben Tag wurde auch der internationale Flughafen König Fahd in Dammam angegriffen.
- 12. Oktober: Die GACA verlängerte die Einstellung in Riad, ohne zu sagen, wann der Betrieb wieder aufgenommen wird.
Der Flughafen Riad wurde laut NPR in fünf Tagen viermal getroffen. Einige Fluggesellschaften strichen Flüge zu saudischen Flughäfen, einige Botschaften warnten ihre Bürger vor deren Nutzung.
Wer zählt die Toten in Jemen?
Das von den Huthi kontrollierte Gesundheitsministerium gibt an, Angriffe der Koalition hätten in fünf Wochen 91 Jemeniten getötet, 60 Prozent davon Frauen und Kinder, berichtete AP. Zudem sei am 11. Oktober bei einem mutmasslich saudischen Luftangriff auf ein Haus in Sanaa ein Kind getötet worden, sechs Menschen seien verletzt worden. Die Saudis äusserten sich nicht dazu; unabhängig bestätigt sind die Zahlen nicht.
Auf beiden Seiten der Grenze zählen die Kriegsparteien ihre Toten selbst. Das ist wichtig für alle, die die zivilen Kosten dieses Kriegs einschätzen wollen.
Was wir nicht wissen
- Wer sich zum Angriff vom 10. Oktober bekannte. AP berichtete, keine Gruppe habe sich zu den Angriffen auf Riad bekannt, und merkte an, die Huthi schwiegen mitunter nach breit verurteilten Angriffen; sie räumten aber ein, saudische Flughäfen, Öl- und Militäranlagen ins Visier zu nehmen. NPR und Aviation Week berichteten, die Huthi hätten sich zu den Angriffen auf Riad bekannt.
- Die vollständige Opferzahl. Die Quellen zählen die Toten der Angriffsserie unterschiedlich. Wir nennen jede Zahl mit ihrer Quelle.
- Ob der Flughafen in Betrieb ist. Al Jazeera meldete am 9. Oktober die Wiederaufnahme nach dem Angriff vom 8. Oktober; die spätere Einstellung wurde am 12. Oktober verlängert. Ein bestätigtes Datum für die Wiedereröffnung haben wir bis zum 18. Oktober nicht gesehen.
- Die Opfer in Jemen. Die Zahlen des Huthi-Gesundheitsministeriums sind nicht überprüft.
Worauf zu achten ist
Präsident Trump sagte, er erwäge, sich am Kampf gegen die Huthi zu beteiligen, berichtete AP; ein Eingreifen der USA könnte die Huthi veranlassen, die Schifffahrt durch Bab al-Mandab zu stoppen. Saudi-Arabien gehen Berichten zufolge die Abfangraketen aus; es hat Frankreich, Grossbritannien, Pakistan und Ägypten um Unterstützung bei der Luftverteidigung gebeten. Und spät am 11. Oktober warnte Irans Aussenminister Abbas Araghchi seinen saudischen Amtskollegen vor einem rein militärischen Ansatz und bot an, einen Dialog zwischen Saudi-Arabien und den Huthi anzustossen, so NPR. Für Reisende ist das praktische Signal der Entscheid der GACA über die Wiedereröffnung in Riad – und ob die Fluggesellschaften zurückkehren.
Quellen
- AP, via ABC News – Iran-backed Houthis claim latest attacks on airport in Saudi capital, including one that killed 12 (11. Oktober 2026)
- NPR, via St. Louis Public Radio – Saudi airport passenger terminal is struck again a day after 12 were killed (11. Oktober 2026)
- Aviation Week – Saudi Airports Hit Again By Houthi Missiles (12. Oktober 2026)
- Al Jazeera – Houthi attack on Riyadh airport killed three Saudi nationals (9. Oktober 2026)
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