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Bewaffnete Konflikte & Krieg· Von ARMSMA

Die ersten US-Angriffe in Nigeria: Wen trafen sie in Sokoto, und warum bleibt die Antwort so vage?

Sanusi Madabo, ein 40-jähriger Bauer aus dem Dorf Jabo im Bundesstaat Sokoto, hörte einen lauten Knall, «wie wenn ein Flugzeug abstürzt», und rannte mit seiner Frau nach draussen. Der Himmel leuchtete hellrot, stundenlang. «Es war fast wie am Tag», sagte er der Associated Press. Jabo war nie angegriffen worden, obwohl die Nachbardörfer regelmässig Ziel von Gewalt sind.

Was er in der Nacht auf den 25. Dezember 2025 sah, waren laut Task & Purpose die ersten US-Angriffe überhaupt auf nigerianischem Boden. Sie richteten sich gegen Kämpfer des Islamischen Staats im Nordwesten des Landes und waren mit der nigerianischen Regierung abgestimmt.

Die Angriffe sind über Sokoto hinaus aus zwei Gründen wichtig. Eine ausländische Armee hat eine neue Front in einem Konflikt eröffnet, den Nigeria seit 2009 weitgehend allein führt. Und die beiden Regierungen beschrieben dieselbe Operation ganz unterschiedlich: Die eine sprach vom Schutz der Christen, die andere sagte, Religion habe nichts damit zu tun.

Was wurde abgefeuert, und von wo?

Präsident Donald Trump verkündete auf Truth Social, die USA hätten «einen mächtigen und tödlichen Schlag gegen den IS-Terroristenabschaum im Nordwesten Nigerias» geführt, berichtete das Long War Journal der FDD. Demnach wurden Tomahawk-Marschflugkörper von einem Schiff der US Navy abgefeuert; ein Video des Verteidigungsministeriums zeigte mindestens eine Rakete, die von einem Schiff startete, so Task & Purpose.

Die nigerianische Regierung gab mehr preis als Washington. Ihr Sprecher Mohammed Idris sagte, die Angriffe seien kurz nach Mitternacht aus dem Golf von Guinea erfolgt, mit «16 GPS-gelenkten Präzisionsraketen» und MQ-9-Reaper-Drohnen, berichtete die AP. Ziel seien Gebiete gewesen, die ausländische IS-Kämpfer aus dem Sahel als Aufmarschgebiete nutzten.

Die Zeitung Leadership aus Abuja, übernommen von allAfrica, meldete, die Angriffe hätten ein Lager der Gruppe Lakurawa im Dorf Tandami im Bezirk Tangaza getroffen.

Wer war das Ziel?

Das US-Afrikakommando AFRICOM teilte nur mit, es seien «mehrere Terroristen» getötet worden. Wie viele Angriffe es gab, sagte es nicht, und eine erste Schadensbilanz legte es nicht vor, wie das Long War Journal festhielt.

Wahrscheinliches Ziel war laut Long War Journal die Sahel-Provinz des Islamischen Staats, die sich von Mali, Burkina Faso und Niger bis nach Sokoto ausgebreitet hat; bestätigt ist das nicht. Von der AP zitierte Fachleute vermuten dagegen, die Angriffe könnten Lakurawa gegolten haben, einer Gruppe, deren erster registrierter Angriff im Nordwesten um 2018 stattfand und die laut Forschenden vor allem aus Ausländern aus dem Sahel besteht. Ihre Verbindung zum IS ist nicht belegt.

Diese Unsicherheit ist kein Detail. Von ihr hängt die Antwort auf die zweite Frage ab: Wozu dienten die Angriffe?

Warum zählt die religiöse Begründung?

Trump sagte, die Militanten hätten «vor allem unschuldige Christen» getötet, so das Long War Journal. Schon im November hatte er mit einem Militäreinsatz gedroht und Nigerias Regierung vorgeworfen, weitverbreitete Gewalt gegen Christen zuzulassen, berichtete Task & Purpose. Die Trump-Regierung spricht von einem Völkermord an Christen in Nigeria; Nigeria weist das zurück, schrieb die AP.

Nigerias Aussenminister Yusuf Maitama Tuggar sagte der BBC, die Angriffe hätten «nichts mit einer bestimmten Religion zu tun» und seien «schon seit geraumer Zeit» geplant gewesen, so Task & Purpose. Von der BBC zitierte Forschende betonen, dass sich die meiste Gewalt im Norden gegen andere Muslime richtet und oft eher wirtschaftliche als konfessionelle Ursachen hat.

Was liessen die Angriffe am Boden zurück?

Kein Dorfbewohner wurde verletzt, berichtete die AP, und Sicherheitskräfte riegelten das Gebiet ab. Die 17-jährige Balira Sa'idu bereitete ihre Hochzeit vor: «Eigentlich sollte ich an meine Hochzeit denken, aber jetzt habe ich Panik.»

Trümmer lagen verstreut, und manche Bewohner sammelten Metall, um es zu verkaufen; Dorfvorsteher Aliyu Garba fürchtete, sie könnten sich verletzen. Leadership meldete, die Polizei habe Sprengstoffexperten nach Jabo geschickt, nachdem nahe der Einschlagstelle vergrabene, bombenähnliche Gegenstände gefunden worden waren, und der örtliche Polizeikommandant Muhammed Augie habe vor dem Einsammeln von Trümmern gewarnt (allAfrica).

Im selben Bericht heisst es, die Behörden hätten Nachbarstaaten gewarnt, Lakurawa-Mitglieder könnten aus dem Gebiet geflohen sein. «Wir haben keine Informationen über die Zahl der Getöteten erhalten, aber verletzt sind sie sicher», sagte Isa Saleh Bashir, Vorsteher des Bezirks Tangaza.

Was wir nicht wissen

  • Wie viele Menschen getötet wurden. Die «mehreren Terroristen» von AFRICOM sind nicht unabhängig bestätigt, hielt Task & Purpose fest, und die nigerianische Regierung nannte keine Opferzahlen unter den Militanten.
  • Wen genau die Angriffe trafen. Fachleute nennen sowohl die Sahel-Provinz des IS als auch Lakurawa; keine der beiden Regierungen hat Belege veröffentlicht.
  • Wie viel Munition eingesetzt wurde. Die Zahl von 16 Raketen stammt von der nigerianischen Regierung; die USA sagten nicht, wie viele Angriffe es gab.
  • Ob Blindgänger zurückblieben. Laut den Berichten vom 27. und 28. Dezember 2025 untersuchten Fachleute noch vergrabene Gegenstände bei Jabo.

Worauf zu achten ist

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb «More to come…» («Es kommt noch mehr») (Task & Purpose). Tuggar nannte die Angriffe eine «neue Phase eines alten Konflikts» und rechnete mit weiteren (AP). Folgen weitere Angriffe, wird sich zeigen, ob eine der beiden Regierungen mehr darüber sagt, wen sie treffen. Bulama Bukarti vom Tony Blair Institute benannte das Risiko gegenüber der AP: «Je undurchsichtiger die Regierungen sind, desto mehr Panik herrscht vor Ort, und genau das wird die Spannungen verschärfen.»

Quellen

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