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Natur- und Technologiekatastrophen· Von ARMSMAAufrufe von Lesern: 1Besuche von Bots und Suchmaschinen: 2

92 Sekunden im Le Constellation: Warum starben bei einem Barbrand an Silvester 41 Menschen?

Am 1. Januar 2026 um 01:26:58 wird auf den Kamerabildern des Le Constellation, einer Bar im Walliser Skiort Crans-Montana, ein erster Funke sichtbar. Zweiundneunzig Sekunden später steht der Raum im Vollbrand. So lautet die Chronologie in einem Bericht über die Auswertung der Barkameras durch die Ermittler (La Libre Belgique, die sich auf den Bericht stützt, den Le Parisien und franceinfo einsehen konnten).

Das Feuer brach während der Neujahrsfeier im Untergeschoss der Bar aus. Erste Meldungen sprachen von 40 Toten. Am 1. Februar teilte die Walliser Staatsanwaltschaft mit, eine 18-jährige Person sei am Vortag im Spital gestorben; damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 41 (Paris Match Belgique).

Anderthalb Minuten sind sehr wenig Zeit, um aus einem Untergeschoss zu kommen. Die Schweizer Staatsanwaltschaft beschäftigt nun zweierlei: warum der Raum so schnell Feuer fing und warum so viele Menschen die Tür nicht erreichten. Im September waren 17 Personen beschuldigt; kein Gericht hat entschieden. Im Folgenden: was feststeht, was nur behauptet wird und was die Schweizer Brandschutzvorschriften von jedem Lokal verlangen.

Wie viele wurden verletzt, und wann begann es?

Schon die Grundzahlen unterscheiden sich je nach Quelle. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten zählte 116 Verletzte, davon 83 noch im Spital, Stand 5. Januar. Eine unabhängige Chronologie verzeichnet später nach einer Korrektur 115. Das CTIF nannte in den ersten Tagen 119. Viele der Verletzten erlitten schwere Verbrennungen.

Auch die Uhrzeit weicht ab. Die Polizei gab an, das Feuer sei gegen 01:30 ausgebrochen; die Kameraanalyse setzt den ersten Funken einige Minuten früher an.

Wie wurde aus einer Feier ein Flashover?

Die Hauptthese der Walliser Staatsanwaltschaft: Wunderkerzen auf Champagnerflaschen kamen der Decke zu nahe, die mit Akustikschaumstoff verkleidet war, und lösten einen raschen Flashover aus (CTIF). Das ist eine Hypothese in einem laufenden Strafverfahren, kein Befund eines Gerichts.

Der Schaumstoff wurde offenbar nie gezielt kontrolliert. Die Gemeinde hat ein Versagen bei den periodischen Kontrollen von 2020 bis 2025 eingeräumt (crisisinfo.ch). Laut RTS gab es in zehn Jahren nur zwei eingehende Kontrollen, die letzte 2019.

Die Decke erklärt das Tempo. Sie erklärt nicht, warum so viele Menschen eingeschlossen blieben.

Warum kamen die Menschen nicht hinaus?

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden viele Opfer auf einer schmalen Treppe eingeschlossen, die zum einzigen gut sichtbaren Ausgang führte (CTIF, siehe oben).

Was über die anderen Ausgänge berichtet wird, ist jedes für sich beunruhigend:

  • Ein Brandschutzfachmann sagte gegenüber franceinfo, die Tür im Erdgeschoss habe sich nach innen geöffnet, entgegen der Fluchtrichtung.
  • Eine Diensttür war in jener Nacht verriegelt. Einer der Eigentümer sagt, der Riegel habe sich verbogen, als die Tür aufgebrochen wurde.
  • Überwachungsvideos zeigen einen Stuhl vor einem Notausgang im Untergeschoss, berichtet RTS. Warum er dort stand, weiss noch niemand.

Es handelt sich um berichtete Befunde und Vorwürfe. Ob daraus eine strafrechtliche Verantwortung folgt, entscheiden die Gerichte.

Wer wird zur Verantwortung gezogen?

Die Schweiz beging am 9. Januar 2026 einen nationalen Trauertag mit einer Schweigeminute und einer Gedenkfeier in Martigny.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst. Laut crisisinfo.ch waren am 10. September 2026 17 Personen beschuldigt, darunter die Betreiber der Bar sowie aktuelle und frühere Gemeindeverantwortliche. Anklage war keine erhoben. Beschuldigt zu sein heisst nicht, schuldig zu sein.

Was hat sich bereits geändert?

Seit dem 1. April 2026 ist es in der ganzen Schweiz verboten, in öffentlich zugänglichen Innenräumen pyrotechnische Gegenstände zu zünden. Welches interkantonale Gremium den Entscheid fällte, wird unterschiedlich dargestellt (Le News; blue News). Beide schreiben, dass überarbeitete Brandschutzvorschriften im Herbst 2027 erwartet werden.

Was wir nicht wissen

  • Die Ursache. Die Version mit Wunderkerzen und Schaumstoff ist die Hauptthese der Staatsanwaltschaft, kein Schluss eines Gerichts.
  • Warum ein Stuhl vor einem Notausgang im Untergeschoss stand.
  • Die genaue Zahl der Verletzten (115, 116 oder 119, je nach Quelle und Datum) und der genaue Zeitpunkt des Brandausbruchs.
  • Ob jemand angeklagt wird und wegen welcher Delikte.

Was muss jedes Lokal richtig machen?

Das Folgende stammt aus den Schweizer Brandschutzrichtlinien für Veranstaltungen, nicht aus Befunden zu dieser Bar. Die Arbeitshilfe der kantonalen Brandschutzfachstellen und das VKF/AEAI-Merkblatt für temporäre Veranstaltungsbauten (das Zelte abdeckt) halten sinngemäss fest:

  • Alle Türen in Fluchtwegen öffnen in Fluchtrichtung und lassen sich ohne Hilfsmittel rasch öffnen.
  • Fluchtwege bleiben jederzeit in voller Breite frei; verantwortlich sind Eigentümer und Veranstalter.
  • Der Veranstalter legt die maximale Personenbelegung fest und kontrolliert sie während des Anlasses.
  • Für Dekorationen werden nur schwer entflammbare, nicht abtropfende Materialien verwendet, und sie verdecken nie Ausgänge oder deren Kennzeichnung.
  • Kein offenes Feuer in Räumen mit grosser Personenbelegung; Feuerwerk der Kategorien F2 bis F4 ist in Innenräumen verboten, und Effekte brauchen eine behördliche Bewilligung.
  • Das Personal weiss, was im Brandfall zu tun ist und wie Alarm ausgelöst wird.

Worauf als Nächstes zu achten ist

Auf zweierlei: ob die Untersuchung zu einer Anklage führt, und auf die überarbeiteten Brandschutzvorschriften, die im Herbst 2027 erwartet werden. Bis dahin gilt eine Regel für alle in einem vollen Raum: Suchen Sie beim Eintreten zwei Ausgänge. Kommen Wunderkerzen oder Feuereffekte in die Nähe einer Decke, gehen Sie früh.

ARMSMA wurde im September 2026 gegründet; dieser Artikel entstand deshalb nach dem Ereignis. Er wurde zuletzt am 17. Oktober 2026 aktualisiert und gibt wieder, was die untenstehenden Quellen bis zu diesem Datum berichteten.

Quellen

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