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Geopolitische Angelegenheiten· Von ARMSMA

Waffenruhe eine Stunde vor Ablauf des Ultimatums: Galt die Feuerpause zwischen den USA und Iran auch für Libanon?

US-Präsident Donald Trump hatte gewarnt, «eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben», falls kein Abkommen zustande komme. Etwa eine Stunde vor Ablauf seines Ultimatums gegen Iran einigten sich Teheran und Washington auf eine zweiwöchige Waffenruhe, berichtete Gulf News.

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, der vermittelt hatte, verkündete auf X: Die USA, Iran und ihre Verbündeten hätten einer sofortigen Waffenruhe «überall, einschliesslich Libanon und anderswo, MIT SOFORTIGER WIRKUNG» zugestimmt.

Es war die erste Pause in einem Krieg, der am 28. Februar mit amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran begonnen hatte. Doch schon in den ersten Stunden waren sich die Seiten nicht einig, worauf sie sich eingelassen hatten – und diese Lücke bezahlten Menschen in Libanon mit ihrem Leben.

Worauf liessen sich die Seiten ein?

Gemäss der Waffenruhe sagte Iran zu, Schiffe durch die Strasse von Hormus fahren zu lassen, berichtete Al Jazeera. Die Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öls fliesst, war laut Gulf News seit Kriegsbeginn für die Schifffahrt faktisch blockiert. Berichte, wonach Teheran zur Finanzierung des Wiederaufbaus eine Durchfahrtsgebühr erheben könnte, waren laut Al Jazeera unbestätigt.

Trump bezeichnete Irans Plan als «brauchbare Verhandlungsgrundlage». Dieser 10-Punkte-Plan, wie ihn Teheran beschrieb und Gulf News wiedergab, verlangte viel: die Anerkennung der iranischen Urananreicherung durch die USA, die Aufhebung aller Sanktionen, einen Abzug der US-Truppen aus dem Nahen Osten, ein Ende der Angriffe auf Iran und seine Verbündeten, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen und die fortgesetzte iranische Kontrolle über die Meerenge. Irans Oberster Nationaler Sicherheitsrat erklärte, eine verbindliche Resolution des UNO-Sicherheitsrats wäre ein grosser diplomatischer Sieg.

Das Abkommen sollte Gespräche in Pakistan ermöglichen. Sharif sagte, Islamabad werde beide Delegationen am Freitag empfangen, um eine «abschliessende Einigung» zu suchen; Al Jazeera schrieb einen Tag später, sie würden am Samstag in Pakistan erwartet.

Warum ist Libanon so wichtig?

Iran und Pakistan erklärten, Libanon sei von der Waffenruhe erfasst. Die USA und Israel bestritten das, so Al Jazeera; Staats- und Regierungschefs weltweit forderten, Libanon einzuschliessen.

Am Mittwoch, 8. April, dem Tag der Ankündigung, griff Israel Libanon massiv an. Die Zahl der Toten dieses einen Tages unterscheidet sich je nach Quelle:

  • Über 300 Tote laut Al Jazeera.
  • Über 100 Tote und Hunderte Verletzte laut der vorläufigen Zahl des libanesischen Gesundheitsministeriums vom selben Tag, zitiert von der AFP.

Nach AFP-Zählung hatte das Ministerium bis zum 7. April bereits 1530 Tote in Libanon registriert, seit die Hisbollah Anfang März in den Krieg eingetreten war.

Hörte das Schiessen auf?

Nicht überall. Die AFP hielt am 8. April fest, dass einige Behörden auch nach Inkrafttreten der Waffenruhe noch Tote meldeten. Ihre regionale Bilanz zählte zu diesem Zeitpunkt mindestens 3636 Tote in Iran laut der Menschenrechtsgruppe HRANA und 41 Tote in den Golfstaaten – Zahlen, die die AFP nicht unabhängig überprüfen konnte.

In Teheran beanspruchte der neue oberste Führer Modschtaba Khamenei in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung einen «endgültigen Sieg», so Al Jazeera. Er warnte, Iran sei bereit zu reagieren, falls die Angriffe wieder aufgenommen würden – «Unsere Finger sind am Abzug» – und kündigte für die Strasse von Hormus eine «neue Phase» an, ohne dies zu erläutern.

Was wir nicht wissen

  • Welche Fassung des Abkommens massgeblich ist: Die ausgewerteten Quellen zitieren Erklärungen der Parteien, keinen veröffentlichten Text.
  • Wie viele Menschen am 8. April in Libanon getötet wurden: Die beiden Zahlen liegen weit auseinander.
  • Das genaue Anfangsdatum. Die AFP nennt den 7. April, Gulf News und Al Jazeera melden die Ankündigung am Mittwoch, 8. April; der Unterschied dürfte auf die Zeitzonen zurückgehen.

Was folgte?

Die zweiwöchige Waffenruhe war nur eine Brücke. Im Juni unterzeichneten die Präsidenten beider Länder unter pakistanischer Vermittlung ein vorläufiges 14-Punkte-Memorandum, das die Waffenruhe formalisieren und ein 60-Tage-Fenster für eine dauerhafte Regelung öffnen sollte, berichtete Gulf News. Ob dieses spätere Abkommen die im April offen gebliebenen Fragen – Hormus, Anreicherung und Libanon – beantwortete, ist die Geschichte der folgenden Monate.

Quellen

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