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Bewaffnete Konflikte & Krieg· Von ARMSMA

Zwei Waffenruhen in fünf Monaten: Warum flammte der Grenzkrieg zwischen Thailand und Kambodscha wieder auf?

An einem Sonntagabend Anfang Dezember 2025 gerieten thailändische Armeepioniere, die auf ihrer Seite der Grenze zu Kambodscha einen Logistikweg anlegten, unter Beschuss. Das berichteten thailändische Militärquellen laut dem Asia Media Centre. Im Gebiet Chong An Ma in der Provinz Ubon Ratchathani wurden zwei thailändische Soldaten getötet und acht verletzt. Am Montag, dem 8. Dezember, bestätigte Thailand Luftangriffe auf kambodschanische Ziele.

Diese Angriffe beendeten eine Waffenruhe, die seit Juli gehalten hatte. Es folgten rund 20 Tage Kämpfe mit Kampfflugzeugen, Raketen und Artillerie, berichtete News On AIR, bevor die beiden Länder am 27. Dezember eine neue Waffenruhe unterzeichneten.

Die Rückkehr des Krieges betrifft nicht nur die beiden Länder. Das Abkommen vom Juli war von Malaysia vermittelt und von US-Präsident Donald Trump durchgesetzt worden; im Oktober wurde es an einem regionalen Treffen ausformuliert, so die Associated Press. Gehalten hat es trotzdem nicht.

Wie zerbrach eine unterzeichnete Waffenruhe?

Die Probleme begannen Wochen vor den Luftangriffen. Im November setzte Thailand die Waffenruhe aus und warf Kambodscha vor, neue Minenfelder angelegt zu haben, berichtete das Asia Media Centre. Seit dem Ende der Kämpfe im Juli hatten mindestens sieben thailändische Soldaten durch Landminen Gliedmassen verloren.

Kambodscha sagt, die Minen stammten aus seinem Bürgerkrieg, der Ende der 1990er-Jahre endete, so die AP. Den ganzen Herbst über führten beide Länder, wie die AP schrieb, einen «erbitterten Propagandakrieg», und entlang der Grenze kam es weiter zu kleineren Gewalttaten.

Wer schoss zuerst?

Jede Seite beschuldigt die andere. Die thailändische Luftwaffe erklärte, ihre Angriffe hätten nur militärische Einrichtungen getroffen, und verwies auf kambodschanische Verlegungen schwerer Waffen und Kampfeinheiten. Eines der Ziele war laut Thailand ein Casino, das kambodschanische Truppen angeblich für Drohnenstarts nutzten. Premierminister Anutin Charnvirakul sagte, das Vorgehen entspreche «internationalen Standards» (Asia Media Centre).

Das kambodschanische Verteidigungsministerium nannte die thailändische Darstellung «Falschinformation» und erklärte, Thailand habe die Kämpfe nach «zahlreichen provokativen Handlungen» begonnen. Das kambodschanische Militär warf den thailändischen Truppen zudem vor, an zwei Orten «giftiges Gas» eingesetzt zu haben. Thailand hat dies nicht bestätigt. Laut dem kambodschanischen Verteidigungsministerium flog nur Thailand Luftangriffe (AP).

Wie viele Menschen wurden getötet?

Die Zahlen hängen davon ab, wer zählt. Am ersten Tag meldete Kambodschas Informationsminister Neth Pheaktra vier getötete und neun verletzte kambodschanische Zivilisten. Ein 55-jähriger thailändischer Zivilist starb während der Evakuierung (Asia Media Centre).

Bei der Unterzeichnung der Waffenruhe gaben thailändische Behörden an, seit dem 7. Dezember seien 26 Soldaten und ein Zivilist als direkte Folge der Kämpfe getötet worden. Zudem zählten sie 44 zivile Todesfälle durch sogenannte Begleitfolgen. Kambodscha meldete 30 getötete und 90 verletzte Zivilisten, nannte aber keine offizielle Zahl zu seinen militärischen Toten (AP).

News On AIR bezifferte die Gesamtzahl auf mindestens 101 Tote. Die Zahlen beider Regierungen ergeben zusammen genau diesen Wert. Allfällige getötete kambodschanische Soldaten wären darin nicht enthalten.

Weit mehr Menschen verloren ihr Zuhause. In den ersten Tagen flohen Zehntausende, berichtete das Asia Media Centre. Bis Ende Dezember waren laut News On AIR auf beiden Seiten mehr als eine halbe Million Zivilisten vertrieben.

Was verspricht die neue Waffenruhe?

Die Verteidigungsminister Tea Seiha (Kambodscha) und Nattaphon Narkphanit (Thailand) unterzeichneten das Abkommen am 27. Dezember an einem Grenzübergang, nach drei Tagen militärischer Gespräche auf tieferer Ebene. Es trat um 12 Uhr Ortszeit in Kraft, berichtete die AP.

Der Text untersagt weitere Truppenbewegungen und die militärische Nutzung des Luftraums der Gegenseite und enthält 16 Massnahmen zur Deeskalation. Beide Seiten verpflichten sich auf internationale Abkommen gegen Landminen und zur Zusammenarbeit gegen grenzüberschreitende Kriminalität, vor allem Online-Betrug. Sie vereinbarten auch, die Grenzziehung wieder aufzunehmen und keine «Fake News», wie es im Text heisst, zu verbreiten.

Ein Versprechen wurde schnell auf die Probe gestellt. Thailand sagte zu, 18 seit den Kämpfen im Juli festgehaltene kambodschanische Soldaten zurückzuführen, sobald die Waffenruhe 72 Stunden gehalten habe (AP). Am 31. Dezember wurden die 18 an einem Grenzübergang übergeben. Laut dem kambodschanischen Verteidigungsministerium waren sie 155 Tage festgehalten worden (News On AIR).

Was wir nicht wissen

  • Kambodschas militärische Verluste. Kambodscha hat nicht veröffentlicht, wie viele seiner Soldaten getötet wurden.
  • Das «giftige Gas». Der kambodschanische Vorwurf ist nicht unabhängig überprüft, und Thailand hat ihn nicht bestätigt.
  • Wer den Krieg wieder begann. Beide Regierungen sagen, sie hätten in Selbstverteidigung gehandelt; ihre Darstellungen des ersten Schusswechsels widersprechen sich.
  • Die Herkunft der Minen. Thailand sagt, sie seien neu verlegt; Kambodscha, sie stammten aus dem Bürgerkrieg. In den verwendeten Quellen findet sich kein unabhängiger Befund.

Worauf zu achten ist

Das Abkommen vom Dezember wiederholt vieles, was schon im Juli und Oktober versprochen wurde. Ob es hält, hängt davon ab, was es zusätzlich bringt: Grenzziehung, Minenräumung und die Rückkehr der Vertriebenen. Können die Menschen auf beiden Seiten nach Hause zurückkehren und dort bleiben, hätte es erreicht, was der ersten Waffenruhe nicht gelang.

Quellen

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