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Bewaffnete Konflikte & Krieg· Von ARMSMA

Malis Verteidigungsminister in der «sichersten» Stadt des Landes getötet – was hat sich am 25. April verändert?

Am Samstag, 25. April 2026, raste ein mit Sprengstoff beladenes Auto, gesteuert von einem Selbstmordattentäter, in die Residenz von Malis Verteidigungsminister General Sadio Camara in Kati – der Garnisonsstadt rund 15 Kilometer von Bamako, in der sich die Hauptbasis der Armee befindet. Es folgte ein Feuergefecht. Camara wurde verletzt und starb später im Spital, wie Regierungssprecher Issa Ousmane Coulibaly am nächsten Tag im Staatsfernsehen mitteilte, berichtet Reuters.

Laut AFP wurden auch Camaras zweite Ehefrau und zwei seiner Enkelkinder getötet, schreibt Al Jazeera.

Kati «gilt als einer der sichersten Orte des Landes», sagte Al-Jazeera-Korrespondent Nicolas Haque. Dennoch erreichten die Angreifer das Haus eines Mannes, den Haque «eine der einflussreichsten Figuren der regierenden Militärführung» nannte. Reuters schrieb, die Angriffe zeigten, dass die Regierung die versprochene grössere Sicherheit nicht gebracht habe.

Was geschah am 25. April?

Analysten und Diplomaten bezeichneten die Operation als einen der grössten koordinierten Angriffe in Mali seit Jahren, berichtet Reuters. Der al-Qaida-Ableger Jama'at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM) und die von Tuareg dominierte Befreiungsfront des Azawad (FLA) schlugen gleichzeitig an mehr als einem halben Dutzend Orten zu; beide Gruppen bekannten sich zu den Angriffen.

Reuters nennt Kati, das Gebiet beim Flughafen von Bamako sowie Mopti, Sévaré und Gao. Al Jazeera erwähnt zudem Bamako und Kidal im Norden. Einwohner sagten Haque, in Kidal seien am Sonntag noch immer heftige Schüsse und laute Explosionen zu hören gewesen; die Operation dauere «mehr als 24 Stunden nach ihrem Beginn» an.

Auch Übergangspräsident Assimi Goïta lebt in Kati. Laut Haque wurde er bei Beginn des Angriffs in Sicherheit gebracht, sei «wohlauf an einem sicheren Ort» und habe weiterhin das Kommando. Die Regierung rief zwei Tage Staatstrauer aus.

Camara war eine zentrale Figur der Militärregierung, die nach den Putschen von 2020 und 2021 an die Macht kam. Manche sahen in ihm laut Haque «einen möglichen künftigen Führer Malis».

Warum kämpfen Dschihadisten und Tuareg-Rebellen Seite an Seite?

Die beiden Gruppen haben sich früher gegenseitig bekämpft. Der Analyst Bulama Bukarti sagte Al Jazeera, sie hätten sich «letztes Jahr zusammengetan» und Zusammenarbeit vereinbart; die letzten Tage zeigten «die tatsächliche Umsetzung dieser Vereinbarung».

Er betonte aber auch die Grenzen des Bündnisses: «Das sind zwei Gruppen, die für unterschiedliche Ziele kämpfen.» JNIM ist mit al-Qaida verbunden, die FLA ist eine Tuareg-Rebellengruppe, deren frühere Hochburg Kidal im Norden ist.

Wer kontrolliert Kidal?

Das war in den ersten Tagen der umstrittenste Punkt. Die FLA erklärte, Kidal, ihre frühere Hochburg, sei gefallen. Ein Sprecher schrieb auf X, eine Vereinbarung habe russischen Kämpfern den Abzug aus einem belagerten Lager ausserhalb der Stadt erlaubt, in dem malische Truppen verblieben, berichtet Reuters.

Generalstabschef General Oumar Diarra sagte dem Staatssender, die Armee habe ihre Kräfte in Kidal «taktisch neu positioniert», die Operationen gingen weiter. Reuters konnte die Lage in der Stadt nicht bestätigen.

Am 27. April bestätigte Russlands Afrikakorps, eine dem russischen Verteidigungsministerium unterstellte paramilitärische Truppe, auf Telegram, dass seine Einheiten Kidal nach heftigen Kämpfen zusammen mit malischen Soldaten verlassen hätten, so Reuters. Es sprach von einem «gemeinsamen Entscheid» mit der malischen Führung, Verwundete und schweres Gerät seien zuerst evakuiert worden, und fügte hinzu: «Die Lage in der Republik Mali bleibt schwierig.»

Was bedeutet das für Russlands Rolle?

Russland unterstützte Malis Militärregierung, nachdem diese französische, amerikanische und andere westliche Truppen ausgewiesen hatte. «Für Russland war der Angriff ein Desaster», sagte Ulf Laessing von der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Reuters.

Der russische Staatssender Vesti stellte es anders dar: Das Afrikakorps habe einen gross angelegten Angriff abgewehrt und geholfen, die Einnahme des Präsidentenpalasts zu verhindern; einige seiner Angehörigen seien verletzt worden. Russische Militärblogger spielten den Abzug aus Kidal herunter und erklärten, die Truppe könne bei Bedarf zurückkehren, so Reuters.

Was ging voraus?

Die Offensive kam nicht aus dem Nichts. Im September 2024 griff JNIM eine Ausbildungsschule der paramilitärischen Polizei beim Flughafen von Bamako an und tötete rund 70 Menschen. Zuletzt verhängte die Gruppe eine Treibstoffblockade, die Einwohnern und Unternehmen der Hauptstadt Strom und Nachschub entzieht, erinnert Reuters.

Was wir nicht wissen

  • Die Zahl der Toten. Die Regierung veröffentlichte keine Gesamtzahl. Ihr Sprecher kondolierte «allen zivilen und militärischen Opfern», ohne eine Zahl zu nennen.
  • Die Kontrolle über Kidal. Die FLA beanspruchte die Stadt, die Armee sprach von taktischer Neupositionierung, das Afrikakorps bestätigte nur seinen Abzug. Aus den von uns geprüften Quellen geht nicht hervor, wer die Stadt danach hielt.
  • Russlands Anteil an den Kämpfen. Die Darstellung von Vesti zur Verteidigung des Präsidentenpalasts ist nicht unabhängig bestätigt.

Worauf es jetzt ankommt

Bukarti erwartete «weitere Kämpfe um die Kontrolle von Gebieten und strategischen Orten». Die Afrikanische Union, die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, das Afrika-Büro des US-Aussenministeriums und die EU verurteilten die Angriffe; der UNO-Generalsekretär erklärte, er «verurteilt diese Taten aufs Schärfste». Die UNO rief zu einer internationalen Antwort auf die Gewalt im Sahel auf. Ob die Zusammenarbeit von JNIM und FLA mit ihren unterschiedlichen Zielen hält, wird massgeblich bestimmen, wie es im Norden und im Zentrum Malis weitergeht.

Quellen

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