Drei Explosionen zum Fastenbrechen: Warum steht die Zahl der Toten von Maiduguri noch immer nicht fest?

Caleb Jonah stand am Montag, 16. März 2026, gegen 19.30 Uhr am Eingang des Universitätsspitals von Maiduguri. «Bevor ich begreifen konnte, was passiert, hörte ich die ohrenbetäubende Explosion und wurde ohnmächtig», sagte er der Associated Press. Er überlebte mit Verletzungen an Bein und Hand.
Wenige Minuten später explodierten zwei weitere Sprengsätze auf dem Monday Market und im nahen Geschäftsviertel bei der Post, rund 4 Kilometer entfernt, berichtete die AP. Die Explosionen ereigneten sich kurz nachdem die Muslime ihr tägliches Fasten im Ramadan beendet hatten, so AFP.
Maiduguri, die Hauptstadt des Bundesstaats Borno, ist die Stadt, in der Boko Haram 2009 seinen Aufstand begann. Ein koordinierter Anschlag mitten in der Stadt, nicht an ihrem Rand, wirft für ihre rund 1,2 Millionen Einwohner eine wichtige Frage auf: Wie sicher sind die Orte, die man nicht meiden kann, ein Spital, ein Markt, eine Post?
Was geschah in diesen wenigen Minuten?
«Erste Ermittlungen zeigen, dass die Vorfälle von mutmasslichen Selbstmordattentätern verübt wurden», sagte der Polizeisprecher von Borno, Nahum Kenneth Daso, laut AFP. Militärsprecher Sani Uba sagte, mutmassliche Selbstmordattentäter von Boko Haram hätten bei der Post, im Bereich des Monday Market und am Spitaleingang improvisierte Sprengsätze gezündet.
«Wir sassen (auf dem Markt), als wir plötzlich eine laute Explosion hörten», sagte der 27-jährige Modu Bukar zu AFP. Der 31-jährige Mala Mohammed beschrieb, wie Menschen Richtung Post flohen, wo dann eine zweite Explosion folgte.
In einer Erklärung am nächsten Tag warnte Uba, «die Terroristen haben möglicherweise mehrere Selbstmordattentäter nach Maiduguri geschickt», und sprach von koordinierten Angriffen, die möglichst viele Opfer fordern sollten, berichtete die Daily Trust via allAfrica.
Wie viele Menschen starben?
Die Polizei meldete mindestens 23 Tote und 108 Verletzte, berichteten AP und AFP. Ärzte ohne Grenzen nannte dieselbe Zahl der Toten und mehr als 100 Verletzte; ihre Teams halfen bei der Behandlung von 108 Patientinnen und Patienten in zwei Spitälern (MSF).
Dabei blieb es nicht. Surajo Abdullahi, Regionalkoordinator der Nationalen Katastrophenschutzbehörde, bestätigte mindestens 26 Tote und 146 Verletzte, berichtete die Daily Trust: 108 im Universitätsspital, 20 im Umaru-Shehu-Spital und 17 im Spezialspital von Maiduguri. Ein Mitglied einer Anti-Dschihadisten-Miliz sagte AFP, die Zahl der Toten könnte bis zu 31 betragen. «Ich war überrascht, dass es hiess, nur 23 seien gestorben», sagte ein Einwohner der Daily Trust.
Drei Zahlen stehen also nebeneinander: 23 von der Polizei, mindestens 26 von der Katastrophenschutzbehörde, bis zu 31 von einem Milizionär. Keine davon wurde in den Berichten vom 17. und 18. März als endgültig bezeichnet.
Womit waren die Spitäler konfrontiert?
«Die Notaufnahme war voller Patienten mit Verletzungen verschiedenster Art», sagte Dr. Alain Kikwaya, Leiter des medizinischen Teams von MSF in Maiduguri. MSF-Teams stabilisierten Verletzte im staatlichen Spezialspital und überwiesen die kritischsten Fälle ins Universitätsspital, wo ein zweites Team bei der Triage half. In der MSF-Diphtheriestation am Spitaltor wurden weder Patienten noch Personal verletzt (MSF).
Die Spitäler brauchten dringend Blut, sagte der freiwillige Sicherheitshelfer Mohammed Hassan der AP. Manche Gesundheitsfachleute führten das schwache Echo auf Spendenaufrufe auf «das laufende Ramadanfasten» zurück, da viele Spender während der Fastenstunden kein Blut geben können (Daily Trust).
Warum mitten in der Stadt?
Die Anschläge kamen weniger als 24 Stunden, nachdem das Militär Angriffe von Militanten am Stadtrand von Maiduguri abgewehrt hatte; einige Einwohner vermuteten, diese könnten ein Ablenkungsmanöver gewesen sein, berichtete die AP. Laut AFP wurde am Sonntag gegen Mitternacht ein Militärposten im Vorort Ajilari Cross angegriffen, ein weiterer Angriff traf Damboa südlich der Stadt.
Anschläge in Maiduguri selbst waren selten geworden. Der letzte grosse war laut AFP 2021, als Mörserfeuer 10 Menschen tötete. Im Dezember 2025 tötete ein mutmasslicher Selbstmordanschlag in einer Moschee der Stadt laut AFP mindestens sieben Menschen; die AP nannte fünf Tote. «Dass Maiduguri angegriffen wird, ist wie eine Beleidigung für die Sicherheitskräfte», sagte der Analyst Malik Samuel von Good Governance Africa der AP.
Borno-Gouverneur Babagana Zulum nannte die Anschläge «barbarisch» und brachte die Zunahme der Angriffe mit intensiven Militäroperationen im Sambisa-Wald in Verbindung (AFP). Präsident Bola Tinubu sprach von «verzweifelten Taten der bösartigen Terrorgruppen» und wies die Sicherheitschefs an, «die Lage in den Griff zu bekommen» (AP).
Was wir nicht wissen
- Die endgültige Zahl der Toten. Polizei, Katastrophenschutzbehörde und eine Milizquelle nannten 23, 26 und bis zu 31.
- Wer hinter dem Anschlag steht. Keine Gruppe hatte sich bekannt. Das Militär machte mutmassliche Boko-Haram-Kämpfer verantwortlich; deren Rivale, die Westafrika-Provinz des Islamischen Staats, hat ihre Angriffe im Nordosten ebenfalls verstärkt (AFP).
- Wie viele Attentäter es gab, und ob die Angriffe am Stadtrand in der Nacht davor als Ablenkung geplant waren.
Worauf zu achten ist
Der Aufstand hat Berichten zufolge mehr als 40 000 Menschen das Leben gekostet und rund zwei Millionen vertrieben, und im Februar begannen die USA, 200 Soldaten zur technischen Unterstützung und Ausbildung nach Nigeria zu verlegen, so AFP. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die starke Präsenz der Sicherheitskräfte, die am Morgen danach in den Strassen von Maiduguri zu sehen war, bestehen bleibt, und ob die Behörden eine einzige, abgestimmte Zahl der Toten veröffentlichen.
Quellen
- Associated Press via CP24: 23 killed, 108 wounded in suspected suicide bombings in northeast Nigeria (17. März 2026)
- AFP via The Standard: Nigeria suicide attacks kill 23, wound more than 100 (17. März 2026)
- Médecins Sans Frontières: medical teams treat survivors of suicide attacks in Maiduguri (17. März 2026)
- Daily Trust via allAfrica: Maiduguri Blasts, Army Warns of Multiple Suicide Bombers, Death Toll Rises to 26 (18. März 2026)
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