Eine Autobombe beim Freitagsgebet und fast ein Tag Gefechte: Was geschah in den Police Lines von Kohat?

Gegen 13.20 Uhr am Freitag, 18. September 2026, beteten Polizisten und Zivilisten in der Moschee der Police Lines an der Hangu Road in Kohat, als eine Explosion sie traf, berichtete The Express Tribune. Ein Fahrzeug «prallte gegen das Tor und explodierte dann», sagte der Polizeichef von Khyber Pakhtunkhwa, Zulfiqar Hameed; danach fielen Schüsse (The Daily Pioneer).
Die Explosion hinterliess einen Krater vor der Moschee, beschädigte die Fassade und brachte eine Mauer zum Einsturz, berichtete der Pioneer. Dann drangen Bewaffnete auf das Gelände vor, in Richtung der Gebäude der Anti-Terror-Abteilung und der Special Branch.
Kohat liegt rund 60 km südwestlich von Peshawar. Der Anschlag wiegt schwer wegen seines Ziels: kein Kontrollposten an einer Strasse, sondern der Ort, an dem die Polizisten, die den Bezirk schützen sollen, beten, schlafen und arbeiten.
Wie verlief der Angriff?
Nachdem die Autobombe die Umfassungsmauer nahe der Moschee getroffen hatte, drangen laut Polizei sieben bewaffnete Angreifer ein, berichtete The Express Tribune, deren erster Bericht von fünf bis sieben gesprochen hatte. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich beim Gebäude der Special Branch in die Luft. Das zentrale Polizeibüro in Peshawar teilte mit, die Militanten hätten sich Gefechte mit der Polizei und der Anti-Terror-Abteilung geliefert (Daily Pioneer).
Die Kämpfe endeten nicht am Nachmittag. Der Räumungseinsatz dauerte fast 22 Stunden und endete nach einem nächtlichen Gefecht, berichtete Pakistan Observer. Ein nicht namentlich genannter stellvertretender Generalinspekteur der Anti-Terror-Abteilung blieb an vorderster Front und wurde durch eine Granate an der Hand verletzt.
Wie viele Menschen wurden getötet?
Die Opferzahl änderte sich im Lauf des Tages. In seinem ersten Bericht vom 18. September meldete The Week mindestens 16 Tote, darunter fünf Sicherheitskräfte, und rund 50 Verwundete.
Später nannte Dr. Tahir Shah, ärztlicher Direktor des Spitals in Kohat, 21 Tote, darunter 15 Polizisten, und 103 Verletzte: 73 Polizisten und 30 Zivilisten (Daily Pioneer). The Express Tribune meldete dieselben Zahlen; 13 Verletzte kamen ins Liaqat Memorial Hospital, 90 ins Bezirksspital, wo der Notstand ausgerufen wurde.
Pakistan Observer schrieb am 19. September, die Zahl der Toten sei auf 23 gestiegen. ARY News nannte am 23. September unter Berufung auf Polizeiquellen weiterhin 21 Tote, darunter 15 Polizisten (ARY News).
Unter den getöteten Zivilisten war ein Kinderarzt des Liaqat Memorial Hospital in Kohat. Sein Name wird unterschiedlich geschrieben: Dr. Israel Khan Aurakzai (Express Tribune), Dr. Israel Khan Orakzai (Pioneer), Dr. Israr Khan Orakzai (Pakistan Observer).
Wie viele Angreifer waren es?
Auch hier gehen die Angaben auseinander. Die Polizei sagte zuerst, alle sieben Angreifer seien getötet worden; ein späteres Update sprach von sechs, darunter der Selbstmordattentäter (Express Tribune). Nach Abschluss des Einsatzes bestätigte das zentrale Polizeibüro, dass alle acht Militanten getötet worden seien, so Pakistan Observer.
Wer hat sich bekannt?
Am Tag des Anschlags meldete The Week, keine Gruppe habe sich bekannt. Später berichteten Express Tribune und Pioneer über ein Bekenntnis von Ittehad-ul-Mujahideen Pakistan, die laut Tribune vom in Afghanistan ansässigen Hafiz Gul Bahadur geführt wird. Der Pioneer beschrieb sie als im April 2025 gegründete Allianz der Hafiz-Gul-Bahadur-Gruppe, von Harakat Inqilab-e-Islami Pakistan und Lashkar-e-Islam.
«Die Polizei von Khyber Pakhtunkhwa steht wie eine eiserne Mauer gegen den Terrorismus, und solche feigen Anschläge können unsere Entschlossenheit nicht schwächen», sagte Hameed. Präsident Asif Ali Zardari und Premierminister Shehbaz Sharif erklärten, die Ausschaltung «vom Ausland gesteuerter Terroristen» sei «unerlässlich für die nationale Sicherheit» (Pioneer).
Was wir nicht wissen
- Die endgültige Zahl der Toten. Die veröffentlichten Zahlen reichen von 16 (erste Berichte) über 21 (Spital und Polizei) bis 23 (Pakistan Observer).
- Wie viele Angreifer beteiligt waren: fünf bis sieben, sieben oder acht, je nach Bericht und Uhrzeit.
- Ob das Bekenntnis echt ist. Wir haben Berichte darüber gesehen, aber keine unabhängige Prüfung und keine Angabe dazu, wer den Anschlag geplant hat.
- Die Namen der meisten Opfer. In den gelesenen Berichten wird nur ein Opfer genannt.
Worauf zu achten ist
Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den Anschlag, forderte, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen, und rief die Staaten zur Zusammenarbeit mit Pakistan auf (ARY News). Es war nicht der erste Angriff auf die Polizei von Kohat in diesem Jahr: Im Februar wurden bei einem Angriff auf ein Polizeifahrzeug an der Shakardara Road fünf Menschen getötet, darunter ein stellvertretender Polizeichef, berichtete ARY. Sowohl Sharif als auch der Chief Minister von Khyber Pakhtunkhwa, Sohail Afridi, verlangten Berichte der Polizei (Pioneer). Was diese Berichte darüber sagen, wie eine Autobombe bis an die Mauer eines Polizeigeländes gelangen konnte, wird der erste Prüfstein dafür sein, ob Lehren gezogen werden.
Quellen
- The Week: 16 killed in suicide bomb attack near mosque at Pakistan's Kohat Police Lines (18. September 2026)
- The Daily Pioneer: Kohat mosque blast, 21 killed, over 100 injured (18. September 2026)
- The Express Tribune: Mosque blown up as terrorists storm Kohat police facility (19. September 2026)
- Pakistan Observer: Eight terrorists killed as Kohat Police Lines operation concludes after 22 hours (19. September 2026)
- ARY News: UNSC condemns Kohat attack, expresses solidarity with Pakistan (23. September 2026)
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