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Terrorismus & Gewalt· Von ARMSMA

Erst ein Warnbrief, dann ein Massaker: Warum kostete Woros Weigerung rund 170 Leben?

Rund fünf Monate vor dem Angriff erhielt der Bezirksvorsteher von Woro, einem Dorf in Kaiama im nigerianischen Bundesstaat Kwara, einen Brief. Die Gruppe, die ihn schickte, kündigte an, sie werde kommen, um ihre Ideologie zu predigen, berichtete Premium Times. Bezirksvorsteher Salihu Umar alarmierte den Emiratsrat; Soldaten wurden stationiert, der Besuch blieb aus.

Am Dienstag, 3. Februar 2026, kamen die Bewaffneten dann doch. Laut Einwohnern begann der Hauptangriff gegen 17 Uhr und dauerte Stunden, bis die Angreifer am frühen Mittwochmorgen abzogen. Einwohner sagten Reuters, die Männer hätten zuvor im Dorf gepredigt und dazu aufgerufen, den nigerianischen Staat abzulehnen und eine strenge Scharia anzunehmen. Als sich die Dorfbewohner weigerten, eröffneten sie das Feuer.

Warum sticht dieser Angriff heraus?

Das Präsidialamt bezeichnete ihn laut Reuters als den tödlichsten in Kwara verzeichneten Angriff dieses Jahres. Er traf einen Bundesstaat ausserhalb der langjährigen Konfliktzonen im Nordosten und Nordwesten des Landes – und die Opfer waren Muslime, die sich nach den Worten von Präsident Bola Tinubu weigerten, sich «für einen seltsamen Glauben einspannen zu lassen, der Gewalt über Frieden und Dialog stellt».

Von Reuters zitierte Sicherheitsanalysten sagen, dschihadistische Gruppen schienen entlang der Achse Niger–Kwara nach Süden zu ziehen, in Richtung des Kainji-Waldes, der zu ihrer nächsten Hochburg werden könnte.

Wie viele Menschen wurden getötet?

Die Zahlen stimmen nicht überein, und jede hat ihre eigene Quelle:

  • Mindestens 170 – Reuters, ohne Angabe, woher die Zahl stammt.
  • 162 – der Kwara-Sekretär des Nigerianischen Roten Kreuzes, Babaomo Ayodeji: Die Zahl «liegt bei 162, die Suche nach weiteren Leichen geht weiter», berichtete Africanews.
  • 75 – die Regierung des Bundesstaates; der Sprecher des Gouverneurs sagte, der Emir von Kaiama habe 75 Tote bestätigt.
  • 35–40 – die erste Zählung des lokalen Abgeordneten Sa'idu Baba Ahmed, der weitere Tote erwartete, weil Verletzte in den Busch geflohen waren.

Das Rote Kreuz konnte die Gemeinden, die rund acht Stunden von der Hauptstadt des Bundesstaates entfernt nahe der Grenze zu Benin liegen, zunächst nicht erreichen, berichtete die DW. Laut Ahmed wurden etwa 38 Häuser zerstört. Die Angreifer zündeten zudem Läden und den Palast des traditionellen Herrschers an.

Wer steckt dahinter?

Keine Gruppe bekannte sich. Welche Namen fallen, hängt davon ab, wer spricht:

  • Tinubu machte laut Africanews Dschihadisten von Boko Haram verantwortlich.
  • Premium Times identifizierte die Angreifer als Boko-Haram-Kämpfer unter dem Kommando eines Mannes namens Mallam Sadiku. Seine Gruppe sei im Juli 2025 in das Waldreservat Kainji gezogen; die Zeitung bringt sie mit der Entführung von über 300 Schülern und Angestellten einer katholischen Schule in Papiri rund vier Monate später in Verbindung.
  • Der lokale Abgeordnete Mohammed Omar Bio sagte AP, die Angreifer gehörten zu Lakurawa, einer mit dem Islamischen Staat verbundenen Gruppe, so die DW.
  • Reuters hielt fest, dass Kwara zu einem Brennpunkt bewaffneter Gruppen geworden ist, darunter der Westafrika-Provinz des Islamischen Staates.

Einwohner sagten Premium Times, sie vermuteten Vergeltung für die Militärpräsenz, die der Warnbrief ausgelöst hatte.

Wie reagierte der Staat?

Tinubu nannte den Angriff «feige und bestialisch» und schickte ein Armeebataillon in die Gegend. Ein neues Militärkommando sollte die «Operation Savannah Shield» führen, berichtete Premium Times. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben taktische Einheiten, Soldaten, Forstwächter und Bürgerwehren ein; die Angreifer sollen in die Wälder des Kainji-Nationalparks geflohen sein.

Am 15. Februar kursierte ein Video, in dem Bewaffnete sagen: «Wir haben 176 Personen in unserer Gewalt, entgegen den Behauptungen und der Propaganda der Regierung von Kwara», berichtete News Central. Die Regierung hatte zuvor von 30 Entführten gesprochen und erklärte, sie prüfe das Video. Im März nahmen Sicherheitskräfte in Kaiama drei Verdächtige fest, die laut einem Berater des Gouverneurs «unter dem Vorwand, ein Motorrad zu kaufen» gekommen waren und mit den Ermittlern kooperieren, so News Central.

Was wir nicht wissen

  • Die endgültige Zahl der Toten. Keine Zahl ist unabhängig überprüft; in den geöffneten Quellen reicht sie von 75 bis über 170.
  • Welche Gruppe verantwortlich ist. Boko Haram, Lakurawa und das weitere Netzwerk des Islamischen Staates wurden alle genannt.
  • Wie viele Menschen noch gefangen sind und ob jemand aus dem Video freigekommen ist. Die geöffneten Quellen, die jüngste vom 20. März 2026, melden keine bestätigte Befreiung dieser Gruppe.

Worauf zu achten ist

Ob die drei Verdächtigen angeklagt werden und ob die Gefangenen zurückkehren, wird zeigen, wie weit die neue Operation reicht. Die grössere Frage stellen die Analysten: ob der Kainji-Wald zur Basis wird, von der aus weitere Dörfer wie Woro vor dieselbe Wahl gestellt werden.

Quellen

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