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Natur- und Technologiekatastrophen· Von ARMSMA

Gefangen im Zwischengeschoss: Warum forderte der Brand im Gul Plaza in Karachi so viele Tote?

Das Feuer brach am Samstag, 17. Januar 2026, gegen 22.15 Uhr in einem Laden für Kunstblumen im Erdgeschoss des Gul Plaza aus, eines weitläufigen Einkaufskomplexes in Karachi. Der staatliche Rettungsdienst Rescue 1122 traf um 22.53 Uhr ein – fast 40 Minuten später, wie The News unter Berufung auf einen durchgesickerten Untersuchungsbericht schreibt.

Da raste das Feuer bereits durch die Lüftungskanäle der Klimaanlage. Es dauerte fast zwei Tage, bis es gelöscht war, und hinterliess mehr als 1100 zerstörte Läden, berichtete Dawn.

Reuters nannte es den grössten Brand der Hafenstadt seit über einem Jahrzehnt. Er hinterlässt Fragen zum Gebäude, zu den Türen und zum Einsatz der Retter – und dazu, wie viele Menschen tatsächlich starben.

Wie viele Menschen starben?

Die Zahl der Toten stieg tagelang. Am 21. Januar meldete Reuters «rund 50» Tote und 84 Menschen, die bei einem staatlichen Rettungsdienst als vermisst registriert waren; die Polizei befürchtete, die meisten seien tot – in einem Bericht, den Internazionale übernahm.

Am 25. Januar bestätigte die Polizeiärztin Dr. Summaiya Syed 73 Todesfälle, berichtete Dawn. Nur 23 Opfer waren identifiziert – 16 per DNA, sechs anhand des Gesichts und eines per Ausweis.

Wenige Tage später meldeten The News und die Daily Times, der Schlussbericht der Untersuchung nenne 79 Tote, die meisten im Zwischengeschoss, wo dichter Rauch und extreme Hitze sie einschlossen. Offiziell veröffentlicht war der Bericht nicht.

Reuters hielt zudem fest, es sei der tödlichste Brand in Karachi seit einem Feuer in einer Industrieanlage 2012 mit mehr als 260 Toten.

Wie entstand das Feuer und wie breitete es sich aus?

Gemäss den durchgesickerten Befunden, über die The News berichtet, brach das Feuer im Kunstblumenladen im Erdgeschoss aus, angeblich ausgelöst durch Kinder im Laden. Es breitete sich über die Lüftungskanäle aus, begünstigt durch brennbares Material und bauliche Mängel. Auch die Daily Times berichtet, die Ermittler hätten festgestellt, dass die Kanäle zur Ausbreitung beitrugen.

Der Komplex war bekannt für rund 1200 Familienläden mit Hochzeitskleidern, Spielwaren, Geschirr und anderem, berichtete Reuters. Ein Ladenbesitzer, Rehmat Khan, sagte der Agentur, in seinem Geschäft seien etwa 18 bis 20 Menschen gewesen, darunter sechs Angestellte, und alle würden vermisst. Er sprach von einem «Weltuntergangsszenario».

Waren die Türen verschlossen?

Die Eingänge des Gebäudes seien Berichten zufolge verschlossen gewesen, schreibt The News – und fragt, warum der Haupteingang nicht aufgebrochen und keine Fenster eingeschlagen wurden, um die Eingeschlossenen zu erreichen.

Dieselbe Frage stellte der Gouverneur von Sindh, Kamran Tessori, wie Dawn berichtete: Warum seien die geschlossenen Türen des Gul Plaza nicht aufgebrochen worden, wenn es doch Maschinen gebe, die Gebäude abreissen können? Er behaupte nicht, jemand habe das Feuer absichtlich gelegt, sagte er; es gehe darum, die Verantwortung festzustellen. Er forderte eine richterliche Kommission.

Wie verlief der Einsatz?

Die durchgesickerte Chronologie, wie sie The News und die Daily Times wiedergeben: Feuer um 22.15 Uhr; Feuerwehr alarmiert um 22.26 Uhr; der stellvertretende Kommissar vor Ort um 22.30 Uhr; erstes Löschfahrzeug um 22.37 Uhr; Rescue 1122 um 22.53 Uhr.

Der Bericht macht Feuerwehr und Rescue 1122 Berichten zufolge mitverantwortlich, weil sie spät eintrafen und entscheidende Massnahmen versäumten. The News schreibt aber, er lege keine Verantwortung einzelner Personen oder Ämter fest, und seine Punkte stützten sich auf Aussagen und Einschätzungen statt auf forensische Beweise.

Eine Strafanzeige vom 23. Januar bezeichnet den Brand als «Folge von Fahrlässigkeit und Leichtsinn» und richtet sich gegen Unbekannt, berichtete Dawn. Die Regierung von Sindh bewilligte laut Daily Times eine Entschädigung von einem Crore Rupien für die Familie jedes Opfers.

Was wir nicht wissen

  • Die endgültige Opferzahl. Offiziell bestätigt: 73 (Stand 25. Januar). Laut unveröffentlichtem Bericht: 79. Viele Opfer konnten nur per DNA identifiziert werden.
  • Die Ursache. Der Ausbruch im Blumenladen und die Rolle von Kindern sind «angebliche» Befunde aus Indiskretionen; ein forensischer Bericht ist in unseren Quellen nicht öffentlich.
  • Wer die Türen verschloss – und warum. Die Quellen schreiben, die Eingänge seien «Berichten zufolge» verschlossen gewesen, nicht von wem.
  • Ob der Bericht veröffentlicht wird. Eine Kommission unter dem Kommissar von Karachi erstellte ihn für den Chief Minister von Sindh. PPP-Politiker Ali Khursheedi forderte stattdessen eine richterliche Untersuchung und bezweifelte, dass ein Kommissar eine Tragödie in der eigenen Verwaltung untersuchen könne.

Worauf es jetzt ankommt

Der Wiederaufbau des Gul Plaza dürfte mindestens zwei Jahre dauern, berichtete die Daily Times. Bis dahin muss Karachi die Frage des Gouverneurs beantworten – warum verschlossene Türen verschlossen blieben – und entscheiden, ob ein Bericht auf Grundlage von Aussagen genügt, um die Kontrollen in einer Stadt voller dicht gedrängter Märkte zu ändern.

Quellen

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