Eine Waffenruhe, die die Angriffe nicht stoppte: Wie der Libanon-Krieg 2026 3980 Tote forderte

Am 2. März 2026 gab die Hisbollah bekannt, sie habe «eine Salve von Raketen und einen Schwarm von Drohnen» auf Israel abgefeuert. Sie bezeichnete den Angriff als Vergeltung für die Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Khamenei, wie Arab News berichtete. Die israelische Armee erklärte, der Beschuss habe niemanden verletzt. Innerhalb weniger Stunden griff sie Ziele der Hisbollah im ganzen Libanon an; aus den südlichen Vororten Beiruts wurden Explosionen gemeldet.
Diese Salve eröffnete einen Krieg erneut, der nach Zählung des libanesischen Gesundheitsministeriums bis zum 19. Juni 3980 Menschen das Leben kostete.
Der Libanon wurde in einen Krieg hineingezogen, den er nicht begonnen hatte. Die Kämpfe begannen zwei Tage nachdem die USA und Israel Iran angegriffen hatten, berichtete die Associated Press. Im April wurde eine Waffenruhe verkündet und später verlängert, doch die Zahlen des Ministeriums stiegen Woche für Woche weiter. Der Krieg zeigt, wie ein regionaler Konflikt auf einen Nachbarstaat übergreift und wie schwer er danach zu beenden ist.
Wer begann zu schiessen, und wer war dagegen?
Die Hisbollah bekannte sich zum Angriff vom 2. März und erklärte, sie verteidige auch den Libanon gegen wiederholte israelische Angriffe, so Arab News. Vor ihren Angriffen forderte die israelische Armee die Bewohner von mehr als 50 Dörfern im Süden auf, sich mindestens 1000 Meter zu entfernen. Sie erklärte, sie werde «der Organisation nicht erlauben, eine Bedrohung für den Staat Israel darzustellen».
Die schärfste Kritik im Land kam von der eigenen Regierung. Ministerpräsident Nawaf Salam nannte den Raketenbeschuss «unverantwortlich und verdächtig», wer auch immer dahinterstehe, und sagte, er liefere Israel Vorwände für weitere Angriffe.
Wie schnell stieg die Zahl der Opfer?
Bis zum 7. April hatte das libanesische Gesundheitsministerium seit Kriegsbeginn 1530 Tote registriert: 1298 Männer, 102 Frauen und 130 Kinder. Weitere 4812 Menschen waren verletzt worden, unter den Toten waren 57 Gesundheitsfachkräfte, wie vom Institut kurde de Paris veröffentlichte AFP-Zahlen zeigen.
Dann folgte der blutigste Tag. Am 8. April, dem Tag, an dem eine Waffenruhe zwischen den USA und Iran verkündet wurde, flog Israel eine Welle von Luftangriffen im ganzen Libanon. Al Jazeera berichtete, dabei seien mehr als 300 Menschen getötet worden. Am selben Tag nannte die vorläufige Bilanz des Ministeriums, die AFP zitierte, mehr als 100 Tote und Hunderte Verletzte. Die beiden Zahlen wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten genannt und decken möglicherweise nicht dieselben Stunden ab.
Bis zum 18. Mai zählte das Ministerium 3020 Tote, darunter 292 Frauen und 211 Kinder, berichtete die AP. Bis zum 19. Juni waren es nach den Ministeriumszahlen, die die katarische Nachrichtenagentur in The Peninsula veröffentlichte, seit dem 2. März 3980 Tote und 12 001 Verletzte. An einem einzigen Tag mit Luftangriffen in jener Woche wurden mindestens 47 Menschen getötet.
Der Krieg reicht weit über die Zahl der Toten hinaus. Bis Mitte Mai waren im Libanon mehr als eine Million Menschen vertrieben worden; einige lebten in Zelten entlang von Strassen und am Meer in Beirut, so die AP.
Galt die Waffenruhe vom April auch für den Libanon?
Darüber waren sich die Parteien nicht einig. Iran und Pakistan erklärten, der Libanon sei Teil der Vereinbarung zwischen den USA und Iran; die USA und Israel verneinten dies, berichtete Al Jazeera.
Eine separate Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel begann laut AP am 17. April nach Gesprächen in Washington. Sie wurde später verlängert, im Mai etwa um 45 Tage, und für den 29. Mai waren direkte Gespräche von Militärdelegationen angesetzt. Die Hisbollah war daran nicht beteiligt und lehnte sie ab. Die Angriffe gingen die ganze Zeit weiter. Israelische Truppen blieben in grossen Teilen des Südlibanon; Israel erklärte, es gehe gegen die Wiederbewaffnung der Hisbollah vor.
Wer kam sonst noch ums Leben?
Bis zum 7. April hatte die israelische Armee den Tod von 11 Soldaten bei Kämpfen im Südlibanon gemeldet. AFP berichtete zudem von zwei Zivilisten, die im Norden Israels nach Raketenbeschuss der Hisbollah getötet wurden. Die UNO-Truppe im Libanon, UNIFIL, meldete drei getötete Blauhelme (AFP).
Bis Mitte Mai zählte die AP seit Beginn der Kämpfe 20 getötete israelische Soldaten sowie zwei Zivilisten in Israel und einen im Südlibanon tätigen Auftragnehmer des Verteidigungsministeriums. Bis dahin waren sechs UNO-Blauhelme getötet worden.
Was wir nicht wissen
- Die Verluste der Hisbollah. Die Gruppe hat nicht bekannt gegeben, wie viele ihrer Kämpfer getötet wurden (AFP). Die hier zitierten Ministeriumszahlen unterscheiden nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten.
- Die heutige Opferzahl. Die jüngste Ministeriumszahl, die wir überprüfen konnten, stammt vom 19. Juni. Die Angriffe dauerten damals an; die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen.
- Die Zahl der Toten vom 8. April. Die Angaben reichen von mehr als 100 (erste Zählung des Ministeriums) bis mehr als 300 (Al Jazeera).
- Die Reichweite der Waffenruhe. Die Parteien sind uneins, ob die Waffenruhe zwischen den USA und Iran vom April überhaupt für den Libanon galt.
Worauf zu achten ist
Drei Dinge werden zeigen, ob dieser Krieg endet oder nur seine Form ändert: ob die direkten Militärgespräche zwischen dem Libanon und Israel einen Zeitplan für einen Rückzug ergeben, ob die israelischen Truppen den Süden verlassen und ob die tägliche Zählung des Ministeriums aufhört zu steigen. Mehr als eine Million Vertriebene warten auf alle drei Antworten.
Quellen
- Arab News: Israeli military launches strikes against Lebanon after Hezbollah rocket attack (2. März 2026)
- AFP via Institut kurde de Paris: War in the Middle East: casualty figures from across the region (8. April 2026)
- Al Jazeera: Khamenei says Tehran 'astonished the world' during US-Israeli war on Iran (9. April 2026)
- AP via Anchorage Daily News: Death toll in Lebanon reaches 3,000 amid fighting between Israel and Hezbollah (18. Mai 2026)
- The Peninsula / QNA: Dozens killed in Israeli strikes across Lebanon, health ministry says (19. Juni 2026)
Ähnliche Artikel
Kommentare (0)
Melden Sie sich an, um an der Diskussion teilzunehmen.
- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.



