Ein bewachtes Tor, ein Freitagsgebet und eine steigende Opferzahl: Was der Anschlag auf eine Moschee in Islamabad offenlegte

Aun Abbas hätte wenige Wochen später geheiratet. Am Freitag, 6. Februar 2026, stand er an einem hinteren Tor der Imambargah Khadijat-ul-Kubra, einer schiitischen Moschee im Gebiet Tarlai in Islamabad, als ein Angreifer während des Gebets schiessend einzudringen versuchte. Laut seinem Bruder packte Aun den Mann. «In diesem Moment sprengte sich der Attentäter in die Luft», sagte der Bruder Gulf News. Auf Auns Grab wurde der Sehra gelegt, der traditionelle Kopfschmuck des Bräutigams.
Mindestens 31 Menschen wurden an jenem Tag getötet und 169 verletzt, sagte Islamabads stellvertretender Kommissar Irfan Memon, berichtete The New Arab. In den drei folgenden Tagen erlagen sechs weitere Opfer ihren Verletzungen; die Zahl der Toten stieg damit auf 37, so die Polizei von Islamabad laut The News.
Anschläge sind in Pakistans streng bewachter Hauptstadt selten. Dieser war der tödlichste seit Jahren – und er traf eine Minderheit, die schon früher Ziel war. Deshalb reicht seine Bedeutung über die Stadt hinaus: Er stellte auf die Probe, wie gut Pakistan seine Gebetsstätten schützen kann.
Was geschah am Tor?
Die Darstellungen stimmen darin überein, dass der Angriff am Eingang begann. Verteidigungsminister Khawaja Asif sagte, Sicherheitsleute hätten versucht, den Verdächtigen aufzuhalten; dieser habe auf sie geschossen und dann seinen Sprengsatz inmitten der Gläubigen gezündet, berichtete Al Jazeera. Zwei Polizisten, die anonym bleiben wollten, sagten The New Arab, der Angreifer sei am Tor gestoppt worden und habe die Bombe dort gezündet.
Nicht alle Einzelheiten decken sich. Ein Augenzeuge, Aun Shah, sagte Radio Free Europe/Radio Liberty, zwei Angreifer hätten zuerst die Wachen der Moschee erschossen, und einige Gläubige hätten versucht, sie aufzuhalten. Die Behörden sprachen von einem einzelnen Mann.
Bilder aus dem Inneren zeigten Leichen auf dem Teppich des Gebetsraums zwischen Glasscherben und Trümmern; Dutzende Verletzte lagen im Garten der Moschee und riefen um Hilfe, so The New Arab. Im Pakistan Institute of Medical Sciences sahen AFP-Journalisten, wie Erwachsene und Kinder auf Tragen eingeliefert wurden; mindestens ein Verletzter kam im Kofferraum eines Autos an, berichtete Al Jazeera. Aun Shah sagte über seinen schwer verletzten Vater: «Er hat ein Loch im Bauch.»
Wer steckt dahinter?
Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte den Anschlag noch am Abend auf ihrem Telegram-Kanal für sich und veröffentlichte ein Bild des bewaffneten, vermummten Angreifers, wie Reuters meldete, zitiert von Al Jazeera. Die Konfliktbeobachtungsstelle ACLED sagte, der Anschlag trage «die Handschrift des Islamischen Staats», so RFE/RL.
Am 7. Februar gab Innenminister Mohsin Naqvi die Festnahme von vier Personen bekannt, darunter des mutmasslichen Drahtziehers, bei Razzien in Peschawar und Nowshera, berichtete RFE/RL. Laut Naqvi ist der Drahtzieher ein afghanischer Staatsangehöriger mit Verbindungen zum IS, so Gulf News. Die Zeitung identifizierte den Attentäter als Yasir, 32, wohnhaft in Peschawar, der Berichten zufolge fünf Monate in Afghanistan gelebt und dort eine Waffen- und Selbstmordattentäter-Ausbildung erhalten habe.
Asif behauptete, der Angreifer sei zwischen Pakistan und Afghanistan hin- und hergereist, und sagte, von dort aus operierende Militante könnten sogar in der Hauptstadt zuschlagen. Die Taliban-Regierung wies den Vorwurf zurück, berichtete Gulf News.
Warum waren die Gläubigen so schutzlos?
Schiiten sind eine Minderheit im mehrheitlich sunnitischen Pakistan mit 241 Millionen Einwohnern und wurden schon früher Ziel konfessioneller Gewalt, unter anderem durch die Tehreek-e-Taliban Pakistan, die sie als Häretiker betrachtet, schrieb The New Arab. Einem IS-Ableger werden frühere Angriffe auf die schiitische Minderheit zugeschrieben, so Al Jazeera.
Der Schiitenführer Raja Abbas Nasir nannte den Anschlag «ein schweres Versagen beim Schutz von Menschenleben» und stellte den Behörden und Sicherheitskräften Fragen, berichtete Al Jazeera. Naqvi verteidigte die Sicherheitskräfte: «Wenn ein Anschlag geschieht, werden 99 andere vereitelt», sagte er laut Gulf News.
Die Hauptstadt war erst Monate zuvor getroffen worden. Im November 2025 tötete ein Selbstmordattentäter am Eingang des Bezirksgerichtskomplexes von Islamabad mindestens 12 Menschen. Beim Lastwagenanschlag auf das Marriott-Hotel 2008 starben mindestens 63 Menschen, so Al Jazeera.
Nach dem Anschlag wurden die Sicherheitsvorkehrungen an religiösen Stätten der Stadt deutlich verschärft; die Beerdigungen fanden unter strengem Schutz statt, berichtete The News. Mehr als 2000 Menschen nahmen am Samstag an den Totengebeten teil, so Gulf News.
Was wir nicht wissen
- Die endgültige Zahl der Toten. Die Angaben stiegen von mindestens 31 am Tag des Anschlags (Verwaltung von Islamabad) auf 32 (RFE/RL), 33 (Innenminister Naqvi, via Gulf News) und 37 (Polizei von Islamabad, via The News, 10. Februar). Eine amtliche Schlusszahl haben wir nicht gesehen.
- Wie viele Angreifer es waren. Behörden sprachen von einem, ein von RFE/RL zitierter Augenzeuge von zwei.
- Die ganze Verantwortungskette. Der IS bekannte sich. Der Bericht von The New Arab vom selben Tag erwähnte kein Bekenntnis und nannte bei früheren Angriffen auf Schiiten die pakistanischen Taliban. Die Taliban-Regierung wies Pakistans Vorwürfe gegen Afghanistan zurück. Die Festgenommenen wurden nicht öffentlich genannt; ein Gerichtsurteil ist uns nicht bekannt.
Worauf zu achten ist
UNO-Generalsekretär António Guterres sagte: «Die Verantwortlichen müssen identifiziert und vor Gericht gestellt werden», berichtete RFE/RL. Ein Prüfstein ist, ob die vier Festnahmen zu Anklagen und einem öffentlichen Prozess führen. Ein anderer, ob der verstärkte Schutz von Moscheen und Imambargahs in Islamabad über die Trauerwochen hinaus anhält – und ob der Streit mit Kabul darüber, wo der Anschlag geplant wurde, in Zusammenarbeit oder in neue Spannungen mündet.
Quellen
- Al Jazeera – At least 31 killed, dozens wounded in suicide blast at Islamabad mosque (6. Februar 2026)
- The New Arab – Suicide bomber kills 31 in Shia mosque in Pakistan's capital (6. Februar 2026)
- Gulf News – Groom-to-be killed trying to stop suicide bomber at Islamabad imambargah (8. Februar 2026)
- RFE/RL – report on arrests and funerals after the Islamabad mosque attack (8. Februar 2026)
- The News – Imambargah blast death toll rises to 37 (10. Februar 2026)
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