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Bewaffnete Konflikte & Krieg· Von ARMSMA

Vier Jahre nach Pretoria spricht Tigray wieder von Krieg – wer schoss zuerst, und wer kämpft noch mit?

Am frühen Mittwoch, 23. September 2026, schrieb Getachew Reda, Berater des äthiopischen Premierministers Abiy Ahmed, auf X, die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) habe «die von der Bundesregierung kontrollierten Flughäfen in Tigray übernommen» und «eine umfassende Offensive gegen Regierungsstellungen in Afar und Amhara gestartet». Ethiopian Airlines stellte die Flüge in die Region ein, wie Al Jazeera und Reuters berichten.

Tigrays Führung gab demselben Tag einen anderen Namen: einen «Verteidigungskrieg» gegen die Aggression der Bundesregierung, meldete die AFP.

Die Kämpfe brechen das Abkommen von Pretoria, das unter Vermittlung der Afrikanischen Union im November 2022 unterzeichnet wurde. Es beendete einen Bürgerkrieg, der nach Schätzungen der Afrikanischen Union rund 600 000 Menschen das Leben kostete. Regionale Diplomaten und Analysten hatten seit Monaten gewarnt, ein neuer Konflikt in Tigray könne sich zu einem regionalen Krieg ausweiten und mit dem Bürgerkrieg im Sudan verflechten.

Wer hat angefangen?

Beide Seiten beschuldigen einander. Die Regionalregierung von Tigray erklärte auf Facebook, Bundestruppen hätten am Dienstag «intensive Bombardierungen» mit «Flugzeugen, Drohnen und Artillerie» durchgeführt. «Die Armee von Tigray wurde angewiesen, dem gegen uns gestarteten Angriff und der genozidalen Invasion entgegenzutreten», heisst es in der von Al Jazeera zitierten Erklärung.

Die Bundesseite schildert das Gegenteil. Getachew, selbst ein früherer TPLF-Funktionär, schrieb, «die politisch-militärische Führung der TPLF hat die Verantwortungslosigkeit offensichtlich auf eine neue Spitze getrieben». Die Regionalregierung von Afar warf der TPLF eine Invasion vor und erklärte, die Afar-Kräfte würden sich mit ihren Verbündeten verteidigen, so die AFP.

Jawar Mohammed, politischer Analyst und früher enger Verbündeter Abiys, meinte, die Bundesregierung halte ihr Engagement bewusst begrenzt, um der internationalen Gemeinschaft zu zeigen, dass die TPLF die Kämpfe begonnen habe.

Was ist das neue Bündnis?

Am Sonntag, 20. September, verkündete die TPLF ein Bündnis mit sechs weiteren bewaffneten Gruppen aus ganz Äthiopien mit dem Ziel, Abiys Regierung zu stürzen, berichtet Reuters.

Eine davon ist die Fano-Miliz in Amhara. Fano stand im Krieg von 2020 bis 2022 auf der Seite der Bundesregierung, erhob sich aber 2023 gegen sie – ein Aufstand, der Tausende Tote gefordert hat. Vier Quellen, darunter ein hoher äthiopischer Regierungsvertreter und eine diplomatische Quelle, sagten Reuters, tigrayische Kräfte kämpften nun an der Seite von Fano in Amhara und einer lokalen bewaffneten Gruppe in Afar.

Abiys Sprecherin Billene Seyoum erklärte, die Mitglieder des Bündnisses hätten mit finanzieller Unterstützung Eritreas zusammengearbeitet. Eritrea, das im letzten Krieg die Bundesregierung militärisch unterstützte, hat wiederholt bestritten, äthiopische bewaffnete Gruppen zu unterstützen; sein Informationsminister wollte sich nicht äussern.

Wo wird gekämpft?

In Afar gab es am Mittwoch Zusammenstösse in mehreren Gebieten, darunter Abala und Erebti, meldete die AFP unter Berufung auf humanitäre Helfer. In Amhara sagten zwei Einwohner, Bundestruppen hätten von einem Lager in Lalibela aus mit schweren Waffen auf Fano-Kämpfer etwa 50 Kilometer ausserhalb der Stadt gefeuert, so Reuters.

Ausmass und Intensität der Kämpfe blieben laut Reuters unklar.

Wiederholt sich 2020?

Nicht unbedingt unter denselben Bedingungen. Edward Bach von Verisk Maplecroft sagte Reuters, die Bundesregierung sei taktisch stärker als 2020 – dank ihrer Drohnenbestände und der Spaltungen innerhalb der TPLF. Laut ACLED-Daten führte die äthiopische Armee in den letzten Monaten mehrere Drohnenangriffe gegen tigrayische Kräfte durch; die Regierung hat sie nicht kommentiert.

Äussere Akteure beziehen bereits Position. US-Botschafter Ervin J. Massinga warf der TPLF-Führung, gegen die die USA im Juni Sanktionen verhängt hatten, vor, sich «auf einen nicht zu gewinnenden Kampf einzulassen», und rief zum politischen Dialog auf. Der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, forderte beide Seiten zur sofortigen Deeskalation und zu direkten Gesprächen auf und bat die Nachbarländer, nicht zur Eskalation beizutragen.

Wer ist am stärksten betroffen?

Tigray erholt sich noch immer vom letzten Krieg, der Hunderttausende in Hungersnot-ähnliche Zustände stürzte. Rund 750 000 Menschen aus Tigray waren im Februar laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk Binnenvertriebene, und die Region leidet unter einer mit El Niño verbundenen Dürre, berichtet Reuters.

Was wir nicht wissen

  • Opferzahlen. In den von uns geprüften Berichten wurden keine genannt.
  • Wer zuerst schoss. Die Darstellungen der Bundesregierung und Tigrays widersprechen sich direkt; keine ist unabhängig überprüft.
  • Eritreas Rolle. Der Vorwurf der Finanzierung stammt aus Abiys Büro; Eritrea bestreitet ihn.
  • Wie es weiterging. Unsere Quellen stammen vom 23. bis 25. September 2026. Die Lage kann sich seither verändert haben.

Worauf es jetzt ankommt

Ob die Afrikanische Union die Parteien wieder an den Tisch bringt, den sie in Pretoria aufgestellt hat; ob sich die Kämpfe in Afar und Amhara ausweiten; und ob sich, wie Analysten warnen, ein neuer Krieg im Norden Äthiopiens mit dem Konflikt im Sudan verbindet, den die UNO als grösste humanitäre Krise der Welt bezeichnet.

Quellen

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