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Bewaffnete Konflikte & Krieg· Von ARMSMA

Vor Tagesanbruch in Abiemnom: mindestens 169 Tote im Südsudan – und wer angriff, ist weiter umstritten

Der Angriff begann am Sonntag, 1. März 2026, gegen 4.30 Uhr Ortszeit, als die meisten Menschen in Abiemnom noch schliefen. Drei bis vier Stunden lang kämpften Dutzende bewaffnete junge Männer gegen zahlenmässig unterlegene regionale Kräfte, setzten Häuser und Märkte in Brand und töteten Menschen im ganzen Bezirk, so der Informationsminister von Ruweng, James Monyluak Mijok, laut BBC.

Am Montag lag die Bilanz bei 169 Toten: 90 «Kinder, Frauen und ältere Menschen» und 79 Angehörige regionaler Kräfte, darunter Polizisten. Wegen der vielen Toten und der anhaltenden Unsicherheit wurden die Opfer noch am Sonntag in einem Massengrab beerdigt, berichteten lokale Quellen und die Agentur AFP, auf die sich die BBC stützt.

Abiemnom liegt im Verwaltungsgebiet Ruweng im Norden des Südsudan, neben dem umstrittenen Gebiet Abyei. Das Massaker geschah, während die UNO warnt, das seit 2011 unabhängige Land könne in einen «umfassenden Bürgerkrieg» zurückfallen.

Wie viele starben, und wer waren sie?

Die offizielle Zahl stieg innert weniger Tage. Am 5. März meldete Radio Tamazuj unter Berufung auf lokale Behörden 178 Tote, nachdem mehrere Verletzte in einem Spital von Ärzte ohne Grenzen in Abyei gestorben waren. Noch wurden Leichen geborgen, eine unbekannte Zahl Zivilpersonen galt als vermisst.

Unter den Toten waren hohe lokale Amtsträger. Die Regierung nannte den Bezirkskommissar von Awarpiny und den Geschäftsführer des Bezirks Abiemnom, berichtete Sudans Post.

Die Angaben zu den Verletzten gehen auseinander. Lokale Vertreter sprachen gegenüber der BBC von 50 Verletzten, die meisten nach Abyei gebracht; die von Sudans Post zitierte Regierungserklärung nannte mindestens 68; die UNO-Mission behandelte nach eigenen Angaben mindestens 23. Am 5. März sagte der Informationsminister: «Wir haben noch immer 73 Patienten im Spital.»

Wer wird beschuldigt, und was sagen die Beschuldigten?

Der Chefadministrator von Ruweng, Stephano Wieu De Mialek, machte Kräfte mit Verbindungen zur Miliz «Weisse Armee» und Einheiten der SPLM-IO von Riek Machar verantwortlich. Er sprach von «einem Akt der Rebellion» und «einem koordinierten und organisierten Angriff», berichtete die Associated Press.

Laut dem Informationsminister kamen die Angreifer aus dem benachbarten Bundesstaat Unity, dessen Behörden von dem Plan «gewusst haben müssen». Die Behörden von Unity äusserten sich dazu nicht, so die BBC.

Machars Bewegung wies die Verantwortung zurück, sie habe «keine militärische Präsenz in dem betreffenden Gebiet», und warf den Behörden von Unity vor, die Gewalt zu politisieren. Bekannt hat sich niemand. Was den Angriff auslöste, sei unklar, schrieb die BBC.

Was taten der Staat und die UNO?

Regierungssprecher Ateny Wek Ateny erklärte, die Regierung sei «zutiefst erschüttert über den barbarischen Angriff», und kündigte eine umfassende Untersuchung an; die Sicherheitsorgane sollten Hergang und Verantwortliche klären, berichtete Sudans Post. Die Bevölkerung rief er auf, ruhig zu bleiben und auf Vergeltung zu verzichten.

Rund 1000 Zivilpersonen suchten Schutz in der Nähe eines Stützpunkts der UNO-Mission im Südsudan (UNMISS). Deren amtierende Leiterin Anita Kiki Gbeho sagte: «Solche Gewalt bringt Zivilpersonen in grosse Gefahr und muss sofort aufhören», und forderte alle Seiten auf, «die Feindseligkeiten unverzüglich einzustellen».

Hunderte Zivilpersonen, vor allem Frauen und Kinder, flohen zudem ins rund acht Kilometer entfernte Gebiet Abyei, so Radio Tamazuj. Ein Spital der UNO-Blauhelme dort operierte acht der neun verletzten Zivilpersonen, die es behandelte, notfallmässig. Die EU und westliche Botschaften sprachen von einem «brutalen Angriff».

Warum gerade jetzt?

Das Friedensabkommen von 2018, das einen fünfjährigen Bürgerkrieg beendete, hatte Machar zum ersten Vizepräsidenten gemacht. Im September wurde er nach einer Anklage abgesetzt; er steht in Juba unter Hausarrest, während sein Prozess läuft. Seine Anhänger halten die Vorwürfe für politisch motiviert, berichtete AP. Eine UNO-Untersuchungskommission kam zum Schluss, die Führung «demontiere systematisch» das Abkommen.

Seit Dezember haben Kämpfe zwischen Regierungs- und Oppositionskräften in Jonglei nach UNO-Schätzung rund 280 000 Menschen vertrieben. Abiemnom selbst war im Vorjahr Ziel eines ähnlichen Angriffs mit mehr als 42 toten Zivilpersonen, so die BBC.

Was wir nicht wissen

  • Wer den Angriff verübt hat. Der Vorwurf gegen die Weisse Armee und SPLA-IO-nahe Kämpfer stammt von lokalen Behörden; die SPLA-IO bestreitet ihn, und in den gelesenen Quellen liegt kein unabhängiger Befund vor.
  • Die endgültige Zahl der Toten. Sie stieg innert vier Tagen von 169 auf 178, Menschen wurden weiterhin vermisst. Die Zahl der Verletzten reicht je nach Quelle und Datum von 23 bis 73.
  • Das Motiv. Laut BBC ist unklar, was den Angriff auslöste.
  • Ob jemand festgenommen wurde. Bis 5. März waren die Angreifer laut Radio Tamazuj nicht gefasst; spätere Berichte haben wir nicht gefunden.

Worauf zu achten ist

Auf die Ergebnisse der von der Regierung versprochenen Untersuchung – und ob sie Verantwortliche benennt. Ein Vertreter der Zivilgesellschaft brachte es bei Radio Tamazuj auf den Punkt: «Verzögerte Gerechtigkeit ist verweigerte Gerechtigkeit.»

Quellen

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