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Terrorismus & Gewalt· Von ARMSMA

Autobombe gegen einen Pendelzug in Quetta: Warum reichen die Opferzahlen von 14 bis 30 Toten?

Der Pendelzug hatte eine kurze, alltägliche Aufgabe: Fahrgäste aus dem Militärbezirk von Quetta zum Anschluss an den Jaffar Express zu bringen, den Fernzug aus der Stadt. Am Sonntag, 24. Mai 2026, rammte ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in einem Wohnquartier einen seiner Wagen, sagte ein Sicherheitsbeamter gegenüber Reuters.

Laut dem pakistanischen Eisenbahnministerium entgleisten durch die Explosion die Lokomotive und drei Wagen, zwei weitere kippten um. Die von Reuters beschriebenen Bilder zeigten ausgebrannte Fahrzeuge, beschädigte Wohnhäuser, verbogenes Metall und Rauch über den Trümmern.

Unter den Fahrgästen waren Angehörige der Sicherheitskräfte und ihre Familien. Ein Teil der Toten, so der Beamte, wohnte in einem nahen Wohnblock. Der Anschlag ist der jüngste in einer Reihe von Angriffen auf Züge, Sicherheitskräfte und Infrastruktur in Belutschistan, einer rohstoffreichen Provinz an der Grenze zu Iran und Afghanistan – und der Zug fuhr zum Anschluss an eine Verbindung, die schon einmal angegriffen wurde.

Wie viele Menschen starben?

Die Antwort hängt davon ab, wer wann gezählt hat. Der Sprecher der Provinzregierung, Shahid Rind, bestätigte zunächst mindestens 14 Tote, darunter drei Angehörige des Frontier Corps und eine vierköpfige Familie, sowie mehr als zwei Dutzend Verletzte, berichtete The News.

Reuters meldete unter Berufung auf drei anonyme Vertreter der Provinzregierung und der Sicherheitsbehörden mindestens 24 Tote und rund 70 Verletzte.

Ein örtlicher Polizeibeamter, Hameed Ullah Shah, nannte der Deutschen Presse-Agentur eine höhere Zahl, wie die Qatar Tribune wiedergab: «Mindestens 30 Menschen wurden getötet und 103 verletzt.»

Alle drei Zahlen wurden am 24. und 25. Mai veröffentlicht. Eine abschliessende offizielle Bilanz haben wir nicht gefunden.

Wen traf es ausser den Fahrgästen?

Laut The News detonierte die Bombe in der Nähe von Chaman Phatak. Ein benachbarter privater Parkplatz geriet in Brand, mehr als 30 Fahrzeuge wurden zerstört, umliegende Häuser, Läden und Gebäude beschädigt. Unter den Opfern waren Frauen, Kinder, Fahrgäste, Passanten und Anwohner.

Sheikh Waqas Akram von der Oppositionspartei PTI nannte eine Familie, die in der Nähe getötet wurde: Khalid Javed, seine Frau und ihre beiden Kinder im Alter von 13 und 8 Jahren.

Die Provinzregierung rief in den grossen Spitälern den Notstand aus. Verletzte und Tote wurden ins Civil Hospital, ins Sandeman Hospital und in weitere Einrichtungen in Quetta gebracht; der Jaffar Express nach Peshawar wurde gestrichen, so The News.

Wer bekannte sich zum Anschlag?

Die separatistische Belutschische Befreiungsarmee (BLA) erklärte gegenüber Medien, sie habe den Anschlag verübt, und bezeichnete ihn als Selbstmordattentat. Reuters konnte das Bekenntnis nach eigenen Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Die Behörden sprechen von einem Selbstmordanschlag mit einem Fahrzeug. Rind sagte, die Täter hätten «gezielt unschuldige Zivilisten ins Visier genommen»; Ermittlungen und forensische Untersuchungen liefen.

Premierminister Shehbaz Sharif sprach von einer «abscheulichen Bombenexplosion» und schrieb auf X: «Solche feigen Terrorakte können die Entschlossenheit des pakistanischen Volkes nicht schwächen.» Präsident Asif Ali Zardari erklärte: «Pakistan wird den Terroristen und ihren Unterstützern weder vergessen noch vergeben.» Akram (PTI) nannte den Anschlag «ein totales Versagen des Sicherheitsapparats der Bundes- und der Provinzregierung».

Warum wird gerade diese Bahnverbindung immer wieder angegriffen?

Im März 2025 hatten BLA-Kämpfer den Jaffar Express selbst entführt und Hunderte Menschen als Geiseln genommen. Ein eintägiger Militäreinsatz beendete die Geiselnahme; laut Armee wurden 21 Geiseln, vier Soldaten und alle 33 Angreifer getötet, erinnerte Reuters.

Anfang 2026 töteten pakistanische Kräfte in einer 40-stündigen Operation 145 Kämpfer, nachdem koordinierte Angriffe in Belutschistan nach Angaben der Provinzbehörden fast 50 Menschen das Leben gekostet hatten. Pakistan führt in der Provinz Operationen zur Aufstandsbekämpfung, nachdem die Gewalt dort so tödlich war wie seit Jahren nicht.

Nach dem Anschlag leitete Innenminister Mohsin Naqvi in Quetta eine Sicherheitssitzung mit dem Chefminister der Provinz, Sarfraz Bugti, der versprach, Täter und Helfer vor Gericht zu bringen.

Was wir nicht wissen

  • Die endgültige Zahl der Toten. Die veröffentlichten Zahlen reichen von mindestens 14 bis mindestens 30 Toten und von mehr als zwei Dutzend bis 103 Verletzten.
  • Wie viele der Toten Sicherheitskräfte, Angehörige, Anwohner oder Passanten waren. Über die erste Zählung von 14 hinaus enthalten die gelesenen Quellen keine Aufschlüsselung.
  • Ob das Bekenntnis der BLA zutrifft: Es ist nicht unabhängig bestätigt.
  • Wie das Fahrzeug mitten in einem Wohnquartier an die Bahngleise gelangte und was die offiziellen Ermittlungen ergeben haben.

Worauf zu achten ist

Auf eine abschliessende Opferbilanz und die Ergebnisse der Ermittlungen und forensischen Untersuchungen, die die Provinzregierung angekündigt hat. Das Muster ist schon jetzt deutlich: Die Fahrgäste dieses Zuges waren unterwegs zum Anschluss an eine Verbindung, die Kämpfer erst 14 Monate zuvor in ihre Gewalt gebracht hatten.

Quellen

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