41 Tage starker Hitzestress und Flüsse auf einem 30-Jahres-Tief: Wie der Sommer 2026 Westeuropas Rekorde brach

An 17 Tagen im Sommer 2026 lag mindestens 60 Prozent Westeuropas über 30 °C. 2003 war das an 11 Tagen der Fall. 2025 an 7.
Westeuropa, wie es der Copernicus-Dienst zur Überwachung des Klimawandels (C3S) definiert (11W–15E, 37N–55N), erlebte mit durchschnittlich 21,7 °C seinen wärmsten Sommer seit Messbeginn. Das sind 2,5 °C über dem Mittel von 1991–2020 und mehr als 2003.
Die Rekorde betrafen nicht nur die Lufttemperatur. Sie reichen bis zum Hitzestress, zu Rhein und Donau und zu den Wäldern. Der C3S legte alles in einer Mitteilung zum Sommer 2026 und einer European Summer Review am 2. Oktober 2026 dar. Sommer heisst Juni bis August, Abweichungen beziehen sich auf 1991–2020, Ranglisten reichen bis 1950 zurück, und die Daten können revidiert werden.
Wie heiss war es?
Für Europa insgesamt war es der drittwärmste Sommer seit Messbeginn. Für Westeuropa der wärmste.
Die Hitze reichte auch über die Saison hinaus. Die Anmerkungen zur Mitteilung verzeichnen Tagesrekorde im Mai und September sowie eine erste grosse Hitzewelle in Westeuropa Ende Mai.
Die Lufttemperatur ist allerdings nicht dasselbe wie das, was ein Körper spürt.
Wie fühlte sich die Hitze an?
Der C3S misst Hitzestress mit dem Universal Thermal Climate Index, einer gefühlten Temperatur. Die Review wertet 32 °C als starken und 38 °C als sehr starken Hitzestress.
Bis Ende Sommer war 52 Prozent Europas mindestens sehr starkem Hitzestress ausgesetzt.
Im Mittel über Westeuropa gab es 41 Tage mit starkem Hitzestress, ein Rekord und fünf mehr als 2003. Dazu kamen 13 Tage mit sehr starkem Hitzestress, ebenfalls ein Rekord.
Durchschnitte verdecken die Extreme. Manche Orte erlebten bis zu eine ganze Saison mit starkem Hitzestress und bis zu 75 Tage mit sehr starkem Hitzestress, so die Review. Andere gar keine.
Was geschah mit den Flüssen?
Europas Flüsse führten im Sommer so wenig Wasser wie seit mehr als dreissig Jahren nicht. Der C3S spricht vom schwersten Niedrigwassersommer seit Beginn der Aufzeichnungen des European Flood Awareness System 1992.
Im Juli und August wurden an Rhein, Donau, Po, Loire, Rhone und Seine Rekord- oder Beinahe-Rekordtiefs gemessen.
Auch die Meere waren warm. Die Oberflächentemperaturen lagen in allen europäischen Meeren auf oder nahe Rekordniveau, darunter an weiten Teilen der Atlantikküste sowie im westlichen und zentralen Mittelmeer.
Die Mitteilung beschreibt eine lang anhaltende, schwere Trockenheit. Vor diesem Hintergrund begann die Waldbrandsaison.
Wie viel brannte?
Bis zum 2. September war die Brandfläche in der EU fast doppelt so gross wie der Durchschnitt 2006–2025 zum selben Datum, berichtet der C3S unter Berufung auf das European Forest Fire Information System. Spanien und Frankreich verzeichneten eine bemerkenswerte Aktivität.
Die Emissionen aus Waldbränden gehörten laut C3S zu den zehn höchsten seit 2003. Die Emissionsgrafik der Review nennt kein Total für 2026, und wir nennen auch keines.
Was wir nicht wissen
- Wie viele Menschen starben. Das sind Klimastatistiken, keine Opferzahlen. Die von uns gelesenen Seiten nennen keine hitzebedingten Todeszahlen, und wir schätzen keine.
- Wie verbreitet die Dürre war. Die Mitteilung nennt keinen einzelnen Dürre-Prozentwert, deshalb nennen wir auch keinen.
- Endgültige Zahlen. Die C3S-Daten können revidiert werden.
Was man sich für die nächste Hitzewelle merken sollte
Hitze trifft ältere Menschen, Säuglinge, Beschäftigte im Freien und chronisch Kranke am härtesten, halten die Hitzeempfehlungen der WHO Europa fest. Die Grundregeln: die heissesten Stunden meiden, die Wohnung kühl halten, regelmässig Wasser trinken und nach Menschen schauen, die allein leben.
Quellen
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