Mexiko tötete den Chef des Jalisco-Kartells — warum zahlten 20 Bundesstaaten den Preis?

Der Einsatz in Tapalpa, einer Ortschaft im mexikanischen Bundesstaat Jalisco, sollte ihn festnehmen. Am Sonntag, 22. Februar 2026, wurden die Soldaten angegriffen und erwiderten das Feuer, teilte das mexikanische Verteidigungsministerium mit. Vier Mitglieder des Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) starben vor Ort. Drei weitere wurden schwer verletzt und starben auf dem Flug nach Mexiko-Stadt, berichtete der Guadalajara Reporter. Einer von ihnen war der Kartellchef Nemesio Oseguera Cervantes, genannt «El Mencho».
Seine Organisation schlug zurück. Strassensperren, brennende Fahrzeuge und Angriffe auf Geschäfte breiteten sich im ganzen Land aus.
Warum betrifft das mehr als Jalisco?
Bis zum 23. Februar waren in 20 Bundesstaaten mehr als 250 Strassenblockaden errichtet worden, so Al Jazeera. Sicherheitsminister Omar García Harfuch sagte, bei sechs verschiedenen Vorfällen in Jalisco seien 25 Angehörige der Nationalgarde getötet worden. Dreissig mutmassliche Kriminelle wurden in Jalisco getötet, vier in Michoacán.
Die Ereignisse stellen eine Frage, die jede Operation gegen einen «Drogenboss» begleitet: Verringert die Ausschaltung eines Anführers die Gewalt – oder zerstreut sie sie? Mexiko stand zudem unter wachsendem Druck der USA, härter gegen Drogenkartelle vorzugehen, hielt Al Jazeera fest.
Welche Rolle spielten die USA?
Das Verteidigungsministerium (Sedena) erklärte, der Einsatz sei mit dem Nationalen Nachrichtendienstzentrum, der Generalstaatsanwaltschaft und Spezialkräften der Armee koordiniert worden; US-Nachrichtendienste hätten «ergänzende Informationen» geliefert. Laut La Razón stellte das Ministerium die Razzia als Teil der bilateralen Koordination und Zusammenarbeit mit den USA dar, gestützt auf die Arbeit des mexikanischen Militärnachrichtendienstes.
La Razón berichtete zudem von zwei Festnahmen, beschlagnahmten Waffen und gepanzerten Fahrzeugen sowie drei Verletzten während des Einsatzes.
Wie wurde sein Tod bestätigt?
Zunächst erklärte die Sedena, zur Identifizierung sei eine forensische Untersuchung nötig. Am 23. Februar bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft (FGR) die Identität mittels DNA-Analyse, berichtete Uno TV.
Wie reagierte die Regierung auf die Vergeltung?
Verteidigungsminister Ricardo Trevilla kündigte an, 2500 zusätzliche Sicherheitskräfte nach Jalisco zu schicken. Präsidentin Claudia Sheinbaum sagte, alle Blockaden seien geräumt, und «wichtig ist jetzt, Frieden und Sicherheit der gesamten Bevölkerung, ganz Mexikos, zu garantieren».
Auch der Luftverkehr war betroffen. Sheinbaum erwartete, dass Flüge von und nach Puerto Vallarta innerhalb von ein, zwei Tagen wieder aufgenommen würden; das US-Aussenministerium meldete, diese Flüge seien wegen fehlender Besatzungen weiterhin gestört, und nannte Guadalajara unter den Flughäfen mit erwarteten Störungen. Die mexikanische Botschaft wies Online-Gerüchte über Angriffe auf Zivilisten am Flughafen Guadalajara zurück.
In Aguililla in Michoacán griff das Kartell einen Militärposten an. «Zuerst gab es eine riesige Schiesserei, dann noch eine und noch eine», sagte ein Einwohner der AFP.
Wie viele Menschen starben?
Die Antwort hängt von Quelle und Datum ab:
- 59 – die Summe der Zahlen, die García Harfuch am 23. Februar nannte (25 Nationalgardisten, 30 Verdächtige in Jalisco, 4 in Michoacán), wie Al Jazeera berichtete; Al Jazeera nannte selbst keine Gesamtzahl.
- Mehr als 70 – die Vergeltungsgewalt habe «mehr als 70 Menschen getötet», berichtete am 2. März die Sendung Here & Now von WBUR.
In den geöffneten Quellen ist keine der Zahlen so aufgeschlüsselt, dass erkennbar wäre, wie viele Zivilisten unter den Toten sind.
Was wir nicht wissen
- Wer das CJNG nun führt. Keine der geöffneten Quellen nennt einen Nachfolger.
- Ob das Kartell zerfallen ist. Die geöffneten Quellen liefern keine Belege in die eine oder andere Richtung.
- Die vollständige Opferzahl, einschliesslich Zivilisten, zum Datum dieses Artikels.
Worauf zu achten ist
Laut Sheinbaum waren bis zum 23. Februar alle Blockaden geräumt. Die schwierigere Prüfung verläuft langsamer: ob sich die Gewalt in Jalisco und Michoacán beruhigt oder ausbreitet, während Rivalen und Unterführer um El Menchos Erbe kämpfen.
Quellen
- Al Jazeera: El Mencho — Mexico officials say 25 soldiers killed after cartel raid (23. Februar 2026)
- Guadalajara Reporter: Defense Ministry confirms death of CJNG leader El Mencho (22. Februar 2026)
- La Razón de México: Operativo contra El Mencho — Defensa (22. Februar 2026)
- Uno TV: FGR certifica identidad del “Mencho” con prueba de ADN (23. Februar 2026)
- WBUR Here & Now via WUFT: What the death of El Mencho means for the future of Mexico's drug landscape (2. März 2026)
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