Der Putsch in Benin scheiterte innert Stunden – warum brauchte es dafür nigerianische Kampfjets?

Am frühen Sonntag, 7. Dezember 2025, erschienen acht Soldaten im Staatsfernsehen Benins. Als «Militärkomitee für die Neugründung» verkündeten sie die Absetzung von Präsident Patrice Talon, die Auflösung der Regierung und die Suspendierung aller staatlichen Institutionen, berichtete Al Jazeera. Zum Präsidenten des Komitees erklärten sie Oberstleutnant Pascal Tigri.
Am selben Abend wandte sich Talon über denselben Sender an die Nation: Die Lage sei «vollständig unter Kontrolle».
Dazwischen fielen in ganz Cotonou Schüsse, loyale Armeeeinheiten gingen gegen die Meuterer vor – und Nigerias Luftwaffe drang in Benins Luftraum ein. Benin hatte laut Premium Times fast fünf Jahrzehnte keinen Putsch erlebt. Der gescheiterte Versuch kam einen Monat, nachdem Soldaten in Guinea-Bissau die Macht übernommen hatten – in einer Region, in der es seit 2020 auch in Mali, Burkina Faso, Guinea und Niger Putsche gab.
Was wollten die Soldaten?
Sie verwiesen auf die «sich verschlechternde Sicherheitslage» im Norden Benins und die «Missachtung und Vernachlässigung unserer gefallenen Waffenbrüder», so Al Jazeera. Laut Premium Times verkündeten sie zudem die Aussetzung der Verfassung und die Schliessung der Land-, Luft- und Seegrenzen.
Von Premium Times zitierte Analysten halten es für möglich, dass zunehmende Angriffe von Aufständischen im Norden zu den Unruhen beitrugen. Talon ist seit 2016 an der Macht, wurde 2021 wiedergewählt und soll im April 2026 abtreten.
Wie wurde er gestoppt?
Am Nachmittag erklärte Innenminister Alassane Seidou, eine «kleine Gruppe von Soldaten» habe gemeutert, um das Land zu destabilisieren; die Streitkräfte hätten «die Kontrolle über die Lage behalten und den Versuch vereitelt», berichtete Al Jazeera.
Nigerias Präsident Bola Tinubu bestätigte die Entsendung von Kampfjets und Bodentruppen. Sein Büro erklärte, dies sei auf zwei Anfragen von Talons Regierung erfolgt, darunter eine nach «sofortiger nigerianischer Luftunterstützung».
Laut Präsidialsprecher Bayo Onanuga, zitiert von Premium Times, befahl Tinubu der Luftwaffe, in Benin einzufliegen und dessen Luftraum zu übernehmen, um die Putschisten aus dem nationalen Sender und einem Militärlager zu vertreiben, in dem sie sich neu formiert hatten. Benin habe nigerianische Mittel «zur Überwachung und schnellen Intervention unter beninischer Koordination» angefordert und Bodentruppen «ausschliesslich für Einsätze, die von Benins Kommando genehmigt sind». «Alle angeforderten Einsätze wurden ausgeführt», sagte Generalstabschef General Olufemi Oluyede.
Was ist über die nigerianische Operation bekannt?
Viele Details stammen von ungenannten Quellen. Sie sagten Premium Times, die Kampfjets hätten eine «erhebliche abschreckende Rolle» gespielt und die Meuterer zum Rückzug aus dem Sender und einem grossen Militärlager gezwungen; die Luftwaffe habe Berichten zufolge in Teilen Benins Sprengsätze abgeworfen, um die Putschisten einzuschüchtern. Dieselben Quellen berichten, Angehörige von Bataillonen aus Ikorodu, Badagry und Owode seien an die Grenze verlegt worden, um eine Übernahme Cotonous zu verhindern; nigerianische Truppen blieben in Bereitschaft.
Die Deutungen gehen auseinander. Nigerias Präsidialamt bezeichnet die Operation als von Benin geführt; die eigene Analyse von Premium Times schreibt das Scheitern des Putsches einer raschen, von Nigeria geführten Koordination zu.
Was geschah danach?
Regierungssprecher Wilfried Léandre Houngbédji meldete 14 Festnahmen, ohne Details zu nennen. Ob Tigri gefasst wurde, war unklar, berichtete Al Jazeera.
Talon kondolierte den Opfern und sprach von Menschen, die «noch von flüchtenden Meuterern festgehalten» würden. «Wir werden alles tun, um sie unversehrt zurückzuholen», sagte er laut Premium Times. Er versprach, der «Verrat» werde bestraft. Am Montag kehrte in Cotonou Ruhe ein, doch viele Soldaten blieben auf den Strassen.
Wie reagierte die Region?
Die ECOWAS verurteilte den Versuch als «Untergrabung des Willens des beninischen Volkes» und ordnete eine Regionaltruppe mit Soldaten aus Nigeria, Sierra Leone, Côte d'Ivoire und Ghana zur Unterstützung von Benins Armee an. Der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, nannte militärische Einmischung in die Politik eine schwere Verletzung der AU-Grundsätze, und UNO-Generalsekretär António Guterres warnte, der Versuch gefährde die regionale Stabilität zusätzlich, berichtete Al Jazeera.
Was wir nicht wissen
- Opferzahlen. In den von uns geprüften Berichten keine, obwohl Talon von Opfern sprach.
- Geiseln. Wie viele Menschen die flüchtenden Meuterer festhielten und ob sie freikamen.
- Tigris Verbleib. Stand 8. Dezember 2025 unklar. Auch sein Rang ist uneinheitlich: Al Jazeera nennt ihn Oberstleutnant, Premium Times Oberst.
- Die nigerianischen Angriffe. Details der Luftoperation stützen sich auf ungenannte Quellen.
Worauf es jetzt ankommt
Der Umgang mit den 14 Festgenommenen und allfällige Prozesse; ob die Sicherheitsprobleme im Norden, auf die sich Putschisten wie Analysten beriefen, angegangen werden; und die Machtübergabe im April 2026. Der Fall Benin zeigt zudem, wie schnell die Luftwaffe eines Nachbarlandes auf Bitte einer Regierung eingreifen kann: wenige Stunden nach einer Putschankündigung.
Quellen
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