Organisierte Gewalt 2026: Was die Daten zeigen
Zahlen zu bewaffneten Konflikten gibt es in zwei Arten, die man nicht vermischen sollte: geprüfte Daten, die Wochen oder Monate verspätet eintreffen, und Nachrichtensignale, die binnen Tagen vorliegen, aber etwas anderes messen. Dieser Beitrag betrachtet beide, Stand 17. Oktober 2026.
Das Jahresbild: 2025
Das Uppsala Conflict Data Program (UCDP) veröffentlicht die Zahlen des Vorjahres etwa zur Jahresmitte. Die Veröffentlichung von 2026, datiert auf den 9. Juni 2026, betrifft 2025. Laut der Pressemitteilung der Universität Uppsala:
- 65 staatsbezogene Konflikte, also mit einem Staat auf einer oder beiden Seiten, die höchste Zahl seit Beginn der Erfassung 1946.
- 8 zwischenstaatliche Konflikte, der höchste Wert seit 1946, gegenüber 2 im Jahr 2023.
- 13 Kriege, d. h. mindestens 1000 Gefechtstote in einem Kalenderjahr, die meisten seit 1992.
- Rund 244 600 Todesopfer organisierter Gewalt insgesamt, das zweittödlichste Jahr seit dem Völkermord in Ruanda 1994.
- Rund 76 500 Todesopfer einseitiger Gewalt gegen Zivilpersonen, mehr als das Vierfache des Vorjahres und der höchste Wert seit 1994.
- Rund 14 500 Todesopfer in nichtstaatlichen Konflikten, der niedrigste Wert seit 2013.
- Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine war der tödlichste Konflikt des Jahres, mit mindestens 94 700 Todesopfern, etwa 62 % aller Gefechtstoten weltweit.
Das PRIO-Papier Conflict trends: A global overview, 1946-2025, das auf UCDP-Daten beruht, nennt 65 aktive Konflikte in 35 Ländern und 75 nichtstaatliche Konflikte. Es beziffert die Todesopfer auf mehr als 255 000, mehr als die 244 600 der UCDP-Mitteilung. Die Quellen erklären diese Abweichung nicht; wir nennen daher beide Zahlen und entscheiden nicht zwischen ihnen. PRIO beschreibt außerdem einen starken Anstieg der Gewalt gegen Zivilpersonen, verbunden mit dem Sudan.
Das Bild 2026 bei Paravigil
Paravigil, die Open-Data-Plattform von ARMSMA, liest die monatlichen Kandidatendaten des UCDP. Die Daten reichen bis zum 31. August 2026. Auf der Übersichtsseite stehen, Stand 17. Oktober 2026, 10 854 Todesopfer organisierter Gewalt in 30 Tagen, 12 % mehr als die 9 680 der Vorperiode; die vom UCDP veröffentlichte Zahl für August 2026 beträgt 11 118 Todesopfer. Die Analyseseite zeigt 30 802 Todesopfer in 61 Ländern über 90 Tage, davon 51 % im am stärksten betroffenen Land. Das ist die Ukraine; wir behandeln sie nur auf nationaler Ebene.
Paravigil zeigt zudem Modellschätzungen für September 2026 (rund 8 238 Todesopfer, Spanne 5 657 bis 10 819) und Oktober. Das sind Schätzungen, keine UCDP-Daten. Paravigil gibt an, dass das Modell, getestet an den Jahren 2023 bis 2025, bei der Weltsumme im Schnitt um 31 % pro Monat danebenlag.
Geprüfte Daten und Nachrichtensignale
- Geprüft (UCDP). Analysten gleichen jedes Ereignis mit Quellen ab. Paravigil nennt für das UCDP eine monatliche Veröffentlichung mit 4 bis 6 Wochen Verzögerung; der Jahresbericht erscheint Monate nach Jahresende. Die Daten sind langsam, aber über die Zeit vergleichbar.
- Nachrichtenbasiert (GDELT). Die Übersicht von Paravigil zählt 20 633 gewaltbezogene Ereignisse in Nachrichtenberichten über sieben Tage. GDELT zählt Berichte, nicht Vorfälle oder Opfer; ein Anstieg kann daher auf mehr Berichterstattung beruhen. Paravigil rät, ein Land nur mit sich selbst im Zeitverlauf zu vergleichen.
Die beiden Messungen beantworten verschiedene Fragen: Das UCDP sagt, wie viele Menschen getötet wurden, Nachrichtensignale deuten an, wohin sich die Aufmerksamkeit gerade verlagert. Keine von beiden ist eine Prognose; Paravigil betont, dass sie keine Bewertung einer Regierung ist und nicht für Notfall- oder operative Entscheidungen dienen soll.
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